Ein neuer, weiterer Schritt ist getan! (Mai 2020)

Wer Sankt Rochus besucht, weiß: Diese Kirche und wir zusammen mit ihr befinden uns in einem Prozess. Vor vier Jahren, zum Aschermittwoch 2016 (s.u.), wurde er erstmals sichtbar, indem wir den Altar in die Mitte verlagerten und die Bänke zunächst im Dreieck, später dann in einer kreisförmigeren Anordnung um ihn herumstellten. Ein erster Versuch, das Gefühl der Orientierungslosigkeit, zu dem der Kuppelbau Paul Schneider-Eslebens mit seinen in sich gewundenen Formen einlädt, zu verstärken. Ein großer Schritt, für viele in seiner Intensität auch schmerzhaft. Verstärkt noch durch den seit 2017 zentral stehenden Lautsprechermast, der bei der Beherrschung der schwierigen Akustik helfen möchte und zugleich doch vielen als raumüberstrahlender Fremdkörper gilt, welcher den spirituellen Raum stört. „Wann geht es hier endlich weiter?“ ist eine der am häufigsten formulierten und oft mit Ungeduld untermalten Fragen, wenn es um Sankt Rochus geht.

Im Hintergrund ging vieles weiter, doch erst jetzt endlich sichtbar für alle. In den vergangenen Wochen der notwendigen Kirchenschließungen sind zwei entscheidende Schritte passiert: der Abbau der Orgel und der Rückbau der Altarinsel.

Die Orgel, 1982 vom Orgelbauer Walcker gut in die Verwinkelungen der Kirche eingefügt, war akustisch betrachtet seit jeher eine Herausforderung in diesem halligen Raum, in dem sich Töne bis zu 11 Sekunden lang von Wand zu Wand schwingen und so multiple Echos erzeugen. Eine Inspektion des Instruments durch den Orgelsachverständigen des Erzbistums Kölns ergab, dass für seinen Erhalt die sogenannte Windlade und die Elektronik überarbeitet werden müssten – Arbeiten in Höhe von 80.000 Euro, die auch seitens des Diözesanbaumeisters des Erzbistums in diesem Fall als nicht angemessen galten. Durch einen glücklichen Umstand fand sich mit der Orgelbaufirma Romanus Seifert aus Kevelaer ein höchst interessierter Abnehmer, der sich noch dazu bereiterklärte, den mit 15.000 Euro veranschlagten Abbau selbst zu übernehmen, so dass unsere Gemeinde nur die Kosten für die Verputzung der nun freigewordenen Fläche übernehmen muss.

Der sich anschließende, seit langem geplante Abbau der Altarinsel war nicht nur durch den anfallenden Staub noch eingreifender. Schwere Maschinen und ohrenbetäubender Lärm direkt unter der Christusfigur von Mataré – nicht gut auszuhalten für Menschen, die die Kirche auch gerne aufsuchen, um sich in ihrer ganz eigenen Atmosphäre der Stille zu verlieren. Doch jetzt ist dies wieder möglich. Wir erleben einen Raum mit nur noch einer Ebene, wir alle gleich, uns versammelnd um den zentralen Altar.

Es geht weiter! Im respektvoll bewahrenden Gedenken des Architekten Paul Schneider-Esleben und gleichzeitig im nach vorne gerichteten Blick des spirituellen Wandels werden wir Schritt für Schritt uns vorsichtig weiter vorantasten – gemeinsam mit Ihnen. Haben Sie Dank für Ihr Dasein und Ihre Geduld.

Für die Projektgruppe Sankt Rochus

Pfarrer Heribert Dölle

Rochus 2018_01 (c) Eva Koch

Neue Herausforderungen gemeinsam gehen (Februar 2016)

Der Kircheninnenraum Sankt Rochus hat sich seit Aschermittwoch verändert. Eine Veränderung, nicht mal nebenbei, und die für Gesprächsstoff und unterschiedliche Empfindsamkeiten sorgt.

Blicken wir noch einmal auf das Gegebene: Die planerische Konzeption der Kirche Sankt Rochus wurde in ihrer baulichen Ausführung nicht ganz konsequent umgesetzt. So gibt es seit vielen Jahren, wie Sie wissen und auch in Teilschritten schon miterlebt haben, das Bestreben, dies in einem Prozess der Anpassung auszugleichen. Das hat nicht nur ästhetisch beachtliche Aspekte. Vielmehr werden die im Raum grundgelegten Formate von Kreis – Dreieck – Quadrat in ihrer Bezogenheit aufeinander eine spirituelle Kraft entfalten, in der wir als Gemeinde und Liturgen ein Teil sind und die Anpassungsleistungen von uns erwarten. Eine Form gestaltet auch den Inhalt.

Denn Kreis – Dreieck – Quadrat sind erstmal geometrische Grundfiguren, jede in sich verschieden. Und doch wird sich der ein oder andere – vielleicht in Erinnerung an Mathematikunterricht vergangener Zeiten – an Kreis- (Tangente), gleichseitige Dreiecke, Polygone, und Quadrate, die sich ergeben und ergänzen, erinnern. Diese geometrischen Grundformen, sie sind zugleich Ursymbole der Menschheit. So steht der Kreis für Unendlichkeit und Vollkommenheit, das Göttliche, Überirdische, das Dreieck für Stabilität und Beziehung, die innergöttliche als Dreifaltigkeit, aber auch die Beziehung Gott – Mensch sowie der Menschen untereinander. Das Quadrat wiederum umfasst das Irdische, wie wir es beispielsweise in den vier Himmelsrichtungen finden. Kurzum, unser Kirchenraum Sankt Rochus birgt in seinem Grundschema all diese Grundformen und -symbole in sich und lässt sie uns erfahren.

Diese einander zumindest zunächst divergierend erscheinenden Formen und Symbole sind in unserem Kirchenraum vereinigt, doch noch nicht ganz „erweckt“, noch nicht zum Sprechen, zum Wirken gebracht. Denn leider wird dies in der alten Anordnung, der die Zentrierung fehlt, nicht deutlich, ja geradezu verhindert und so das, was der Raum meint, was er vermag und was er sein kann, nicht verwirklicht. Denjenigen, die sich mit den Plänen und Ideen des Architekten beschäftigen, wird dies sehr schmerzlich bewusst. Und dass es dort zu einer Art „Schieflage“ und Widersprüchlichkeit kommt, ist auch im Raum selbst zu spüren. Dies nun nachzubessern, anzugleichen, dem Raum seine Aussage, seine Wirkung zu geben, ist das, wozu wir uns seit ein paar Jahren auf den Weg gemacht haben.

Es ist mehr als ein Experiment. Der Altar ist vom ursprünglichen Altarraum in die Mitte des Raumes gesetzt, die durch den Grundstein markiert ist und welcher somit dadurch verdeckt ist. Der Altar steht damit im Mittelpunkt sich überlappender drei Kreise, im Innersten, im absoluten Zentrum, dem Herzstück des Raumes sozusagen. Dem Altar gegenüber steht der Ambo. Die Liturgie und das liturgische Geschehen rückt damit in die Mitte der Gemeinde. Sie kennen das Sich-Versammeln der Gemeinde um den Altar als Frucht des II. Vatikanischen Konzils. Das um den Altar versammelte Volk Gottes verbindet sich zur Mahlgemeinschaft. Zum Mahl der Liebe. Der Kreis wird durch den Priester geschlossen, der in persona Christi Brot und Wein wandelt. Christus in unserer Mitte gegenwärtig. Was unsere Mitte ist, wird durch die räumliche Anordnung verstärkt. Spürbar, wirksam, eindringlich und anschaulich dicht erlebbar.

Wir sind in Sankt Rochus auf diesem Weg. Dem Weg der Anpassung. Dem Weg der Zentrierung und Konzentration und Bezogenheit auf das Wesentliche. Auf dem Weg, die dem Raum innewohnende Kraft freizulassen. Sich entfalten zu lassen. Wirken zu lassen. Der Veränderungsprozess, der angestoßen ist, wird immer wieder überprüft, doch die Richtung scheint klar. Und ohne Frage: Veränderungen, ja, Änderungen von Gewohntem, so auch von Perspektiven, von dem, was man kennt, sind oft herausfordernd, ja, mitunter vielleicht auch schmerzvoll. Auch für den Zelebranten ist es neu, ungewohnt, herausfordernd.

Die Gestaltung des Innenraumes ist in einem Fluss befindlich. Die Erfahrungen mit der heutigen Gestaltung zu Beginn der Fastenzeit nehmen Einfluss auf die neue Gestaltung, um mit diesen weiteren Erfahrungen zu machen. Es bleibt ein Prozess, der auch – und ganz sicher nicht zuletzt – ein geistlicher ist und der auch noch lange nicht abgeschlossen ist. Viel wurde noch am Karnevaldienstag gerückt und geräumt, um diese Form zu erstellen. Viel Zeit und Kraft investiert. Vieles ist noch zu optimieren. Akustik und Lichtführung hierbei nur zwei Beispiele. Die Platzierung des Ambo ein weiteres. Und mehr noch würden zu finden sein.

Unseren Kirchen – unseren 6 Kirchen im Gemeindegebiet – kompakt in kurzer Nähe zueinanderstehend, gilt unsere Sorge und unsere Hinwendung. In ihnen das jeweils Besondere hervorzuheben und sie in ihrer Einmaligkeit zu würdigen gehört dazu, ihren Fortbestand und ihre Zukunft möglichst zu sichern. Die Kirche Sankt Rochus ist zudem seit ihrer Vollendung ein Kirchengebäude, das über die Gemeinde und über Düsseldorf hinaus Beachtung findet. Der Innenraum hat von Anfang an, seit seines Bestehens, viele Veränderungen erfahren. Langjährige Gemeindemitglieder können von so mancher Diskussion, Auseinandersetzung und Umgestaltungsversuchen erzählen.

Die Neuausrichtung des Innenraumes hat das Ziel, einen ganz individuellen liturgischen Raum zu gestalten, der einen besonderen Gottesdienst-Charakter ermöglicht. Die Architektur der Kirche bietet hierzu eine große und einzigartige Chance. Wir als Gemeinde, wir als diejenigen, die diesen Kirchenraum als „unseren“ bezeichnen und empfinden, wir sind auch der in ihr angelegten Konzeption verpflichtet, die all dies bereits in sich birgt. Sie ist Teil unserer Verantwortung für sie. Sie ist aber auch Teil einer geistlichen Botschaft weit über unsere Gemeindegrenzen hinaus.

Ich lade Sie herzlich ein, Ihre eigenen Erfahrungen auf diesem Weg zu machen. Mit sich selbst, der Spiritualität, der Raum- und der Gottesdiensterfahrung. Der Sakralraum Sankt Rochus hat eine eigene Definition, eine eigene Sprache. Lassen wir ihn sprechen und geben wir ihm die Zeit und die Möglichkeit dazu. Diesen Weg sind meine Vorgänger und die Gemeinde seit dem Neubau von Sankt Rochus gegangen und wir übernehmen diesen Weg und gehen ihn weiter.

Ihr

Pastor Heribert Dölle