Weihnachten und Corona

Für uns alle hat sich das Leben im Jahr 2020 verändert, für die einen mehr für die anderen weniger, für die einen sehr abstrakt, für die anderen sehr konkret. 

Dies gilt auch für Weihnachten. Wir sind dankbar, dass uns einige Menschen aus unserer Gemeinde an ihren Gedanken zum diesjährigen Weihnachtsfest teilhaben lassen, mit aller Ambivalenz und Unplanbarkeit, die das Leben immer hat, aber jetzt im Besonderen.

Eines aber bleibt - dies soll jetzt nicht klischeehaft sein, auch wenn es vielleicht so klingt - egal wie wir in diesem Jahr Weihnachten feiern oder auch nicht feiern. Die christliche Botschaft von Weihnachten heißt, sehr verkürzt, ich gebe es zu: Gott wird Mensch, und zwar in widrigen Umständen. Mit anderen Worten, er ist uns nah und nicht fern, durch alle Höhen und Tiefen unseres Lebens. 

Meine Familie und ich werden wahrscheinlich wegen der Corona-Pandemie nicht zur Kirche gehen können. Das finde ich schade, da es für mich zu Weihnachten dazugehört. Wir werden stattdessen vielleicht einen Podcast hören oder einen eigenen Gottesdienst abhalten. 
Auf jeden Fall werden wir Weihnachtslieder singen. Dann werden wir mit unserer Familie und unseren Freunden entweder videotelefonieren oder telefonieren, da wir sie leider nicht besuchen können.

Luzia Behrens

Weihnachten sind einige der wichtigsten Tage im Jahr – und zwar weil wir die Geburt Jesu Christi feiern. Die meisten Menschen verbringen diese Tage mit der Familie, doch dieses Jahr ist es besonders für mich, denn meine Familie ist knapp 9.000 km weit entfernt. Vielleicht wäre ich ohne Corona nach Hause geflogen, um bei meinen Eltern und Geschwistern zu sein. 
Dennoch werde ich Weihnachten feiern und mit Freude verbringen: Am Mittag treffe ich Freunde zum Mittagessen, und abends – oder früh am nächsten Tag – rufe ich meine Familie an, weil eine physische Entfernung lediglich das ist: physisch. Aber unsere Gedanken und unser Herz sind bei unseren Verwandten und Geliebten und obwohl wir uns dieses Jahr nicht persönlich sehen können, ist die Distanz zwischen unserer Herzen kurz. 

Emanuel Alvarez

Eigentlich weiß ich gar nicht, wie wir Weihnachten dieses Jahr feiern sollen. Ich habe heute einen Prospekt eines großen Baumarkts im Briefkasten gefunden, in dem auf den ersten vier Doppelseiten das ganze Programm an Weihnachtsdekoration angeboten wurde...so wie immer. Aber, so wie immer ist es dieses Jahr nicht.
Beim Durchblättern des Prospekts kamen in mir nicht die üblichen vorweihnachtlichen Gefühle hoch; ein Zwiespalt zwischen dem, was einen über die Jahre hinweg als emotionale Einstimmung auf das Fest bewegt hat, und dem, was faktisch um uns herum aktuell geschieht: Einschränken, Verzichten, Zurückhalten.
Es ist schwierig, sich in dem aktuellen Umfeld ein idyllisches Weihnachtsfest vorzustellen: Viele Menschen werden Weihnachten vor dem Hintergrund ihrer Existenzbedrohung erleben; ob finanziell oder gesundheitlich.
Ich denke oft daran, ob die Lösung darin bestehen kann, sich in seine Komfortzone zurückzuziehen und die äußeren Einflüsse zu ignorieren. Die Lösung scheint einfach, aber meine Antwort lautet ganz klar: nein. 
Ich denke, auch wenn die aktuelle Situation uns scheinbar machtlos erscheinen lässt, können wir dem das entgegensetzten, was uns als Christen ausmacht: Rücksicht, Nächstenliebe, Verzicht und Hilfsbereitschaft.
Ich weiß, wie ich Weihnachten dieses Jahr feiern werde: im Kreise derer, die bei mir sein dürfen und mich lieben, und in tiefen Gedanken an die Menschen, die nicht bei mir sein können und die ich liebe.

Markus Lohmann

Wie werde ich Weihnachten feiern?
Das hatte ich mich schon gefragt. Die Coronaregeln begleiten uns auch ins nächste Jahr. Das wird für meine Kinder mit ihren Kindern in der Herz Jesu Kirche am Nachmittag sein, wie wir es viele Jahre kannten. Eine Kirche voller fröhlicher Kinder mit Eltern und Großeltern, die ein Krippenspiel erlebten und zuhause weiterfeiern möchten. Bei uns gibt es Stollen und Getränke, ehe wir ins Weihnachtszimmer gehen. Die Kerzen am Baum und auf dem Tisch zaubern die Atmosphäre. Aus einer großen Liedersammlung darf sich jeder ein Lied wünschen. Die Weihnachtsgeschichte ist von ihnen eingerahmt. 
Vor dem Abendessen ist Zeit für das Auspacken der Geschenke und Lesen der weihnachtlichen Grüße. Wir achten auf die Zeit für die Christmette, wie gewohnt, aber wie viele Personen dürfen bei Abstandsregeln kommen? Welche Zeiten werden angeboten? Muss ich einen Gottesdienst am Fernseher mitfeiern?
Ich freue mich auf Weihnachten mit allem, was dazugehört, wenn Christus als das Licht der Welt gefeiert wird. 
Dürfen wir wieder singen?

Heiligste Nacht, Finsternis weichet, es strahlet hienieden.

Ludmilla Sträter

Weihnachten begann für mich in den letzten Jahren immer mit dem Besuch des Grabes meines verstorbenen Mannes auf dem Nordfriedhof. 
Es folgte der ökumenische Gottesdienst im Hauptbahnhof. Die geschäftige Atmosphäre einer Bahnhofshalle, kombiniert mit der besinnlichen Weihnachtsfeier, führte mich in eine leise weihnachtliche Stimmung. 
Nach diesem Auftakt kam dann an den Weihnachtstagen zunächst der Kontakt mit meinem Bruder und am nächsten Tag die Begegnung mit der Schwester meines verstorbenen Mannes und meines Schwagers.  All das gab mir das Gefühl, dabei und nicht alleine zu sein.
In diesem Jahr wird durch Corona nun alles anders: Der ökumenische Gottesdienst im Hauptbahnhof fällt wohl aus. Mein Bruder, Schwager und Schwägerin sind recht vorsichtig und vermeiden alle nicht unbedingt notwendigen Kontakte.
Am Heiligen Abend werde ich, wie auch sonst, zuerst zum Friedhof gehen und am Nachmittag den Wortgottesdienst im Pfarrgarten besuchen.
Ohne die üblichen Kontakte konzentriere ich mich dann auf ein schönes altes Weihnachtsbuch und etwas Fernsehen. Das leibliche Wohl wird auch nicht zu kurz kommen – ich werde mir etwas Besonderes gönnen.
Mir ist bewusst, dass ich Weihnachten allein, aber nicht einsam sein werde.

Gerda Feist

Ein paar Gedanken in der Vorweihnachtszeit:
Bei jedem Telefonat kommt mit Sicherheit die Frage: Wie geht es Dir? Und bisher war meine Antwort: „Ich lebe halt so vor mich hin.“ Was soll man in der Abgeschiedenheit seiner Wohnung auch sonst sagen in Zeiten einer Pandemie, wo alles wegfällt, was man sonst so unternahm an Geselligkeit, Essengehen, Konzerten oder Theatergängen, Reisen usw. Und die Angst vor dem Morgen wächst.
Eine falsche Antwort von mir, denn in den letzten Tagen habe ich die Stille, das Nachdenken neu entdeckt – mein Leben: 
Rückblick, die Kindheit in der Kriegs- und Nachkriegszeit mit ihren Schrecken, Angst, Hunger, Kälte, eine zerbombte Wohnung - keine Heizung,
Heute: eine warme Wohnung, die feste Rente, Telefon und Computer für Gespräche, auch wenn man sich zur Zeit nicht persönlich trifft – und morgen: Da denke ich an den Spruch meiner Großmutter: „Du kannst nicht tiefer fallen als in Gottes Hand.“ Und: „Jedes Jahr kommt Weihnachten“:
Ein Kind wird unter schwierigsten Verhältnissen geboren: heimatlos in einer dunklen Nacht in einer Behelfsbehausung, mit Vieh zusammen in einem Stall. Und gerade dieses Kind Jesus hat wie wir Menschen unter uns gelebt und uns durch seinen Tod erlöst. Aber da waren in aller Not auch Trost und Hoffnung: die Hirten auf dem Feld und die Engel. Ich entdecke gerade „meinen Schutzengel“ neu. Ja, ich glaube daran, dass jeder Mensch einen Engel hat, der ihn durchs Leben begleitet.
Bei meiner neu entdeckten „Nachdenkzeit“ merke ich auch, dass mir die zwangsverordnete „stille Zeit“ Raum gibt für Gedanken, die ich seit langem ziemlich vernachlässigt habe.
Dabei fällt mir der Spruch von Dietrich Bonhoeffer ein: „Es liegt im Stillesein eine wunderbare Macht der Klärung, der Reinigung und der Sammlung auf das Wesentliche.“ Und was könnte wesentlicher sein als die kommende Weihnachtszeit mit dem Gedenken an das Kind in der Krippe in einer schwierigen Zeit.
Bei den neu entdeckten Reflexionen über Kindheit, jetzt und demnächst fällt mir auch das Wort von Ernst Modersohn wieder ein: „Gott kennt dein Gestern, er gibt dir dein Heute und er sorgt für dein Morgen.“
                           
Der Himmel hat den Menschen als Gegengewicht zu den vielen Mühseligkeiten des Lebens drei Dinge geben: die Hoffnung, den Schlaf und das Lachen.  Immanuel Kant

Irmgard Scheinemann