Mein Name ist Ernest Ampadu, ich lebe seit 41 Jahren in Deutschland. Viele kennen mich aus der internationalen Zusammenarbeit.
Bei Weihnachten in Ghana denke ich an die Festlichkeit, das familiäre Zusammenleben, und zwar nicht nur in der kleinen Familie. Familie wird in Ghana größer gedacht.
Ich denke an den Palmbaum, der zum Weihnachtsbaum wird und wie hier auch bunt geschmückt wird. Vor Weihnachten gibt es auch viel Arbeit, weil für die Geburt Jesu das Haus renoviert, gesäubert, schön gemacht wird. Wenn etwas gestrichen werden muss, passiert das in der Regel vor Weihnachten. Wenn etwas entrümpelt werden muss, dann passiert das auch vor Weihnachten. Früher gab es auch nur an Weihnachten besondere neue Kleidung. Es gab halt nicht immer etwas, manchmal denke ich, dass Vieles vom Besonderen heute verloren gegangen ist; wenn man immer etwas haben kann, ist es nicht mehr besonders.
Weihnachten und Advent sind auch viel lauter als hier in Deutschland, überall hört man laute Advents- und Weihnachtsmusik. Es gibt sogar eine Tradition, dass man gegeneinander im Wettbewerb antritt: Wer kann die schönsten Weihnachtslieder singen? In diesem Zusammenhang gibt es auch schon jede Menge Feuerwerk. Viele Traditionen sind heute noch an die Traditionen, die die ehemaligen Kolonialmächte mitgebracht haben, angelehnt. Deswegen gibt es in Ghana z.B. in vielen Familien am 1. Weihnachtstag die Geschenke, so wie es in Großbritannien üblich ist. Aber an Heiligabend werden die Bäume geschmückt, und man besucht sich gegenseitig außerhalb der Familie und macht sich kleine Geschenke. Alle gehen an Heiligabend ab etwa 18 Uhr in die Kirche und kommen dann oft nicht vor dem nächsten Morgen nach Hause. Man feiert gemeinsam in der Kirche, isst und besucht dann z.B. mit dem Chor noch weitere Personen. Das läuft sehr spontan ab.
Wichtig ist, die Freude über die Geburt Jesu mit allen zu teilen, und dass niemand alleine ist. Jeder und jede wird mitgenommen, in der Gemeinde oder auch mit Familien und Freunden. Es ist auch mit viel Reisetätigkeit verbunden, weil alle sich treffen wollen. Wir haben ein bisschen von diesen Bräuchen mit nach Deutschland genommen. Der Weihnachtsliederwettbewerb findet z.B. nach der Lesung statt. Jeder und jede kann sich zum Singen melden - man singt gemeinsam und alleine, und irgendwann, wenn alle gesungen haben, wird die Messe fortgesetzt. Ich erinnere mich ganz besonders an ein Weihnachten, als kein ghanaischer Priester da war und Pfarrer Eicker mit uns die Messe gefeiert hat, das war schön. Und am ersten Feiertag feiern wir im Pfarrsaal mit allen aus der Gemeinde, und so ist man auch nicht allein, wenn man keine Familie hat. Jeder und jede bringt etwas zu essen von zu Hause mit, es ist wie ein Familientreffen im Großen. Traditionell gab es selten im Jahr Fleisch, außer an Weihnachten. Da wurde geschlachtet, was man hatte, ob Ziege, Schaf oder Hühner. Mittlerweile ist aber in Ghana alles kommerzialisierter, was ich schade finde. Der Gedanke, etwas Besonderes an Weihnachten zu machen, ist aber immer noch da. Mal sehen, wie es in diesem Jahr wird. Durch Corona ist alles eingeschränkter.

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Ich bin Carmela Di Nicola, lebe seit 46 Jahren hier in Deutschland und bin seit über 40 Jahren auch in der italienischen Mission zu Hause.
Advent und Weihnachten verbinde ich mit ganz viel Familie. Schon in der Adventszeit spielt das Treffen mit der Familie eine große Rolle. Als Kind hatte ich das Glück, dass mein Großvater bei uns gelebt hat. Am Vorabend vom 8. Dezember haben wir angefangen, die Krippe aufzubauen. Der Tannenbaum spielte nicht so eine Rolle. Die Krippe und ihre Gestaltung war das wichtigste Erlebnis. Am Feuer hat mein Großvater viele Geschichten erzählt, über die Geburt Christi. Für uns Kinder war das schön, wir wussten, dass er uns jedes Jahr das Gleiche erzählt, über die ganze Weihnachtsgeschichte; es war für uns sehr wichtig. Bis Weihnachten hat er jeden Abend die Krippe ergänzt und umgestaltet. Hier in Deutschland habe ich versucht, diese Tradition mit der Krippe an meine Kinder und Enkelkinder weiterzugeben und unsere kleine Familie hier zusammenzuhalten.
An Heiligabend gibt es bei uns Fisch. Dies ist noch eine letzte Erinnerung daran, dass die Adventszeit wie die Fastenzeit vor Ostern eigentlich eine Fastenzeit ist, die erst mit der Mitternachtsmette endet. Und am ersten Feiertag gibt es ein richtig großes Weihnachtsessen mit verschieden Gängen und Spezialitäten. Panetone ist unser typischer Weihnachtskuchen, wie hier in Deutschland der Christstollen. Plätzchen gibt es in Italien auch, aber jede Region hat ihren eigenen Duft. Für mich gehört an Heiligabend auch immer der Besuch unserer Christmette in der Kirche Heilige Dreifaltigkeit dazu und das gemeinsame Feiern mit Menschen, die irgendwie zu meiner erweiterten Familie dazugehören. Als Erwachsene geht der Zauber von Weihnachten ein wenig verloren. Wenn Kinder dabei sind, ist das einfacher.
Ich wünsche allen auch in diesem zweiten Coronajahr ein schönes Weihnachtsfest und Gesundheit in der Hoffnung, dass wir im nächsten Jahr wieder größer feiern können.

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Ich bin Chantal Lemaire und lebe in Deutschland mit meinem Mann Philip. Meine erwachsenen Kinder leben wieder in Frankreich.
In meiner Kindheit war das Essen an Heiligabend ganz normal. Dann sind wir in die Mitternachtsmesse gegangen, und nach der Mitternachtsmesse gab es zuhause Eisschokolade mit Brioche, die meine Großmutter vorbereitet hatte. Diesen Brauch habe ich für meine Familie übernommen.
Mit meiner Kindheit verbinde ich auch den Engel in der Krippe in der Kirche, der, wenn man Geld eingeworfen hat, mit dem Kopf genickt hat. Ein kleines Detail, das für andere banal klingen mag, aber für mich ist das eine wichtige Weihnachtserinnerung.
Wir hatten in unserer Familie eine Krippe und weniger einen Tannenbaum. Die Krippe war der zentrale Punkt in der Wohnung, sie wurde schon am 1. Advent aufgestellt, und wir haben jeden Abend unser Abendgebet zusammen mit der Familie an der Krippe gebetet. Ich habe sehr viele schöne Erinnerungen daran. Nach der Eisschokolade und dem Brioche haben wir einen Schuh von uns vor der Krippe aufgebaut und sind dann schlafen gegangen. Morgens nach dem Frühstück ist mein Großvater in das geschlossene Wohnzimmer gegangen und hat dann später alle eingeladen, in das Wohnzimmer zu kommen. In unseren Schuhen war immer eine Orange, das ist wichtig, und weitere Geschenke. Die Orange war früher eine sehr teure Frucht, die es nur an Weihnachten gab. Auch wenn das heute nicht mehr so ist, haben wir die Tradition beibehalten. Danach sind wir in die Kirche gegangen und haben anschließend im Radio die Ansprache des Papstes gehört. Und dann gab es unser großes Weihnachtsessen. Es gibt immer Maronen und Pute und Pflaumen und den traditionelle Weihnachtskuchen Bouche de Noël. Den essen aber nur die anderen, ich mag ihn nicht so gerne. Über Weihnachten fahren wir bis heute immer nach Frankreich in die Auverne, auch wegen meiner alten Schwiegereltern.
In Deutschland ist der Advent besonders wichtig, der spielt in Frankreich nicht so eine Rolle. Hier in Düsseldorf habe ich zum Beispiel den Adventskranz und den Adventskalender kennengelernt, der ist jetzt in unsere Tradition mit hineingekommen. Bis heute schicke ich meinen Kindern nach Frankreich einen Adventskalender und binde meinen Adventskranz selber. So verbinden wir in unserer Familie französische und deutsche Traditionen, und das ist schön.

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Unsere Namen sind Rainer und Gracia Caripa. Wir kommen aus Venezuela, sind Mutter und Sohn und seit sechs Jahren in Deutschland. Weihnachten in Venezuela ist eine riesige Party, überall werden Lautsprecher auf der Straße aufgestellt, man geht in die Kirche, überall ertönt Musik. In der Adventszeit wird das Haus geputzt, viel gekocht und vorbereitet für das große Fest. Auch wenn die Situation in Venezuela gerade nicht einfach ist, wird immer weiter gefeiert. 
Hier in Deutschland mussten wir uns erstmal daran gewöhnen, dass alles viel leiser ist und dass Weihnachten nur im allerengsten Kreis gefeiert wird. Bei uns sind das jetzt acht Personen. Wir versuchen, ein paar Bräuche auch hier zu leben, dazu gehört das Essen, welches von allen gemeinsam schon Tage vor Weihnachten vorbereitet wird. Alle haben eine Aufgabe und machen mit. 
Das traditionelle Essen heißt Hayaca, das ist eine Masse von Maismehl mit Rindfleisch, Schwein, Hühnchen, Gemüse eingewickelt in Bananenblättern. Rainer hat z.B. die Aufgabe, sie zu putzen. Wir machen sehr viel davon und essen sie über mehrere Tage. Nach Weihnachten gibt es sie dann bis zum nächsten Jahr nicht mehr - sie gehören irgendwie zu Weihnachten. Wir wünschen allen eine fröhliche und glückliche Advents- und Weihnachtszeit.

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Mein Name ist Milagros Fraile. Ich lebe seit vielen Jahrzehnten in Deutschland. Je älter ich werde, desto mehr Sehnsucht habe ich nach dem Weihnachten in Spanien. Meine Kinder sind hier in Deutschland aufgewachsen und kennen das gar nicht anders und können es auch nur zu einem gewissen Grad nachvollziehen. Viele der Bräuche ähneln denen in Deutschland, aber eben nicht alle. An das frühe Abendessen konnte ich mich zum Beispiel nie so richtig gewöhnen. In Spanien beginnt das Abendessen am ersten Feiertag frühestens um 21 Uhr und geht bis in die Nacht. Viele typische Weihnachtslieder werden gesungen, und die typischen spanischen Musikinstrumente ertönen, z.B. die Kastagnetten. Ich empfinde das als viel lauter und fröhlicher und lebendiger - wir feiern ja schließlich die Geburt Jesu, überall wird gelacht und getanzt. Man feiert nicht in der kleinen Familie. Weihnachten ist ein riesiges Familientreffen.
Ich fühle mich in Deutschland wohl. Ein bisschen von meiner Heimat gibt mir die spanischsprechende Gemeinde, zu der ich seit vielen, vielen Jahren gehöre.

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