T R O S T  eine bildliche Annäherung

trost1 (c) Pfarrerin Doris Taschner
vossen (c) Vossen

Vor fünf Jahren hat unsere evangelische Kollegin, Pfarrerin Doris Taschner, Krankenhausseelsorgerin am Marien Hospital und am St. Vinzenz-Krankenhaus, ein kleines Büchlein herausgegeben: „Was tröstet“.  In ihm hatte sie  Aussagen von Patientinnen und Patienten, von Angehörigen, Ehrenamtlichen, Mitarbeitende aus dem pflegerischen und ärztlichen Dienst Ärztinnen und Ärzten zum Thema „Trost“ gesammelt – und natürlich fragte sie auch ihren katholischen Kollegen, also mich.
Bei der damaligen Beschäftigung mit der Frage: Was bedeutet  mir Trost?
• dann, wenn ich um Trost zu  spenden angefragt bin, 
• dann, wenn ich Trost geben  möchte, 
• oder aber auch, wenn ich in  dunklen Situationen meines  Lebens selbst Trost suchte und  suche,
sind zwei farbige Bilder entstanden, von denen eins hier als Skizze wiedergegeben ist. Es erhebt nicht den Anspruch großer künstlerischer Qualität, es geht mir vielmehr darum, ins Bild zu fassen, was Trost geben kann, welche Haltungen trostreich sind, was der Hintergrund zu trostreichem Handeln ist – allgemein gültig, aber eben vor allem für mich persönlich in den oben aufgezählten Situationen. Die beiden Bilder „spielen“ in unterschiedlicher Weise mit dem Wort „Trost“.

T R O S T

In der Mitte ist der Mensch, der Trost braucht (O). Sein Leid, seine Sorgen drücken ihn nieder, machen ihn gebeugt. Und das, was ihn belastet, nimmt auch die Mitte seines Lebens, seines Denkens, seiner Träume und seines Empfindens ein. Er braucht Menschen, die ihm in der Begegnung den Platz in der Mitte zugestehen – auch dann, wenn er für die, die sich nicht mit ihm auseinandersetzen wollen, eher eine Randfigur ist. Trösten heißt, den Anderen mit seinen Sorgen, seinem Leid in die Mitte stellen – jetzt, in diesem Moment, mit meinen Gesten, meinem Zuhören, meinem Reden.

Was dem Trostsuchenden gut tut, ist Zuneigung (S), jemand, der sich zu ihm beugt, mit auf das schaut, was ihn niederdrückt.

Aber Trösten ist nichts für Schwächlinge! Wer trösten will, braucht inneren Halt und innere Stärke - eine aufrechte, dem Anderen zugewandte Haltung (R). An der Aufrichtigkeit des Tröstenden kann sich der Trostsuchende aufrichten, kann in ihm Halt finden.

Wer Trost gibt, braucht etwas „im Rücken“, einen Hintergrund, der ihn am Leid des Anderen, am Leid dieser Welt bei allem Mitleiden nicht verzweifeln lässt. „Wie hältst du das aus, als Krankenhausseelsorger tagein-tagaus immer  wieder mit Krankheit und Tod konfrontiert zu werden?“, so werde ich oft gefragt. Weil Gott im Kreuz gegenwärtig ist (Anfangs-T). 

Gott leidet in Christus mit an jedem Kreuz der Menschen. Und wie Jesus erleben wir, erlebt der leidende Mensch sich oft als gottverlassen – aber Gott verlässt eben nie. In Christus geht er menschliche Kreuzwege mit, und das ermutigt mich, auch solche Wege zu begleiten.
Dass Gott alle menschlichen Wege mitgeht, ist für mich die trostreichste Nachricht – oder, um es mit einer Liedzeile auszudrücken: „Gott hat mir längst einen Engel gesandt, mich durch das Leben zu führen“ (End-T).

Wolfgang Vossen
Krankenhauspfarrer im VKKD; Seelsorger am Marien Hospital

Stevens (c) Stevens

Seit einem Jahr bin ich im St. Vinzenz und im Augusta Krankenhaus als Seelsorgerin tätig. Trauer und Trost haben für viele Patienten und ihre Angehörigen neben der Frage nach Heilung oder Linderung eine große Bedeutung. Und das nicht nur bei schwerwiegenden Erkrankungen oder im Sterbefall. Es gibt viele Anlässe, die Trauer hervorrufen können - körperliche oder seelische Verletzungen, Verlust von Fähigkeiten, Menschen, Haustieren und vieles mehr. Für mich ist es zunächst einmal unerheblich, aus welchem Grund Patienten im Haus sind. Die akute Krankheit belastet u.U. weniger als die häusliche Situation. Und so unterschiedlich der Anlass zur Trauer ist, so unterschiedlich ist auch, was Menschen trösten kann. Viele Patienten wissen sehr genau, was oder wer sie trösten kann. Andere stehen sprachlos oder klagend vor ihrem Leid, ohne einen Ausweg zu sehen. Um tröstlich zu sein, ist es unabdingbar, zunächst einmal zuzuhören, dem Patienten sein individuelles Leid zu glauben und es ihm auch zu lassen. Vorschneller Trost (das wird schon wieder, schau nach vorne…) hat den faden Beigeschmack der Vertröstung. Trost soll jedoch entlasten und nicht zusätzliche Last durch Ratschläge aufbürden. Dabei gilt es, weder die Situation schön zu reden, noch eine Hoffnung, an die sich jemand klammert, zu zerstören. Es gilt, mit den Patienten mitzugehen - nicht weiter und nicht kürzer. Das heißt für mich, oft auch einen Weg einzuschlagen, den ich selbst so nicht gehen würde.

„Es ist gut, dass Sie da sind und zugehört haben.“ Häufig lautet so oder ähnlich eine Rückmeldung von Patienten nach einem Besuch. Dasein, Wahrnehmen und Zuhören, ohne Abzumildern, Ratschläge zu erteilen oder zu dramatisieren, werden als tröstlich erfahren. Hören, auch auf das, was Menschen zwischen den Worten sagen oder mit kleinen Gesten andeuten. Durch Erzählen oder durch Fragen, die ich stelle, sortieren und gewichten manche Patienten Dinge in ihrem Leben neu. Ich erlebe aber auch Menschen, deren Leid so groß ist, dass sie untröstlich sind. Das gilt es ernst zu nehmen. Mitunter bleibt dann, wie auch bei der Frage nach dem „Warum“, nur das sprachlose Mitaushalten; vielleicht eine Berührung. Wichtig ist, die Sprachlosigkeit kurz ins Wort zu bringen, sonst entsteht eine Leere, die verunsichert. 

Bei gläubigen Menschen kann Leid eine Glaubenskrise auslösen. Der Glaube kann aber helfen, der Krise einen Sinn zu geben, auch wenn dieser (noch) nicht erkannt wird. Das Vertrauen, geborgen in Gott zu sein, kann tröstend wirken und helfen, dass Patienten loslassen können und ihr Leid als unveränderlich akzeptieren. Segen, Gebet, eine Kerze in der Kapelle anzünden kann Trost spenden, aber auch nur dann, wenn die Patienten es möchten. Sonst ist es übergriffig und kann Trost verhindern.

Wenn Patienten längere Zeit im Krankenhaus verbleiben müssen, kann mitunter auch der Zeitpunkt erreicht werden, an dem ein Zuspruch, ein Ausblick möglich wird.

Sie merken es: Es gibt viele „Kann‘s“ beim Thema Trösten. Tröstlich ist, was einem Menschen in Angst und Not Geborgenheit und einen Schutzraum gibt. Was das im Einzelnen ist, ergibt sich im individuellen Gespräch. Trösten ist nie allgemein, sondern immer konkret. 

Gisela Stevens
Gemeindereferentin im VKKD  Seelsorgerin am Augusta Krankenhaus und am St. Vinzenz Krankenhaus