Sommerzeit – Schulwechselzeit

Jetzt im Sommer ist es bei vielen Familien wieder soweit: Die Kinder müssen sich von der liebgewonnenen und vertrauten Einrichtung - sei es Schule oder Kindergarten - verabschieden und an anderer Stelle einen Neuanfang wagen. Dies ist auch in normalen Zeiten ein spannender Prozess. Wir haben stellvertretend vier Familien aus unserer Gemeinde gefragt, wie sie den Schulanfang bzw. den Schulwechsel in Coronazeiten erfahren haben bzw. gerade erleben. 

Familie Cox erzählt von ihren Erfahrungen: Anna besucht seit diesem Jahr die Grundschule, Noah bereitet sich als Viertklässler auf den Schulwechsel vor.

Anna: Ich hatte eine wirklich schöne Zeit in der KiTa St. Adolfus. In meinem letzten Jahr als Vorschulkind wären ja eigentlich viele tolle Aktionen gewesen, z.B. ein Zoobesuch, auf den hatte ich mich schon so gefreut! Die Kinder hatten in den Jahren zuvor so viel spannende Geschichten davon erzählt. Und bei der Abschlussfeier durfte nur Mama mitkommen, wobei alle anderen aus meiner Familie auch gerne dabei gewesen wären. Auch der Abschlussgottesdienst war ganz ohne Eltern und Omas, das war schade. Alles war anders als sonst so.
Der Start in die Grundschule war ganz spannend. Ich habe viele neue Kinder kennengelernt und habe jetzt viele Freunde dort. Dann kamen die langen Pausen, wo wir uns nicht gesehen haben oder nur in einer Videokonferenz. Aber das ist nicht dasselbe. Toll ist, dass wir uns jetzt wieder jeden zweiten Tag in der Schule sehen können.

Noah: Der Wechselunterricht ist schon etwas anderes. Vermisst habe ich nicht so viel, da ich die Kumpels aus der Klasse jeden zweiten Tag gesehen habe. Aber als es nur Distanzunterricht gab, hat es keinen Spaß gemacht. Es war doof, immer die Aufgaben alleine bzw. nur mit meinen Eltern machen zu können. Das Spielen mit den anderen Kindern hat mir gefehlt, ich war viel zu Hause. Wie der Übergang in die neue Schule ist? Weiß ich gar nicht, ich habe die Schule noch nicht wirklich kennengelernt. Aber es wird spannend sein, die neue Schule zu entdecken. Darauf freue ich mich schon. Ausgesucht haben meine Eltern und ich als neue Schule diejenige, die am nächsten ist, ein Freund von mir geht auch dahin. Andere Schulen kenne ich überhaupt noch nicht, da keine richtigen Besuche zum Kennenlernen möglich waren.

Lea und Arndt (Eltern): Wir vermissen Normalität für unsere Kinder. Wir wünschen uns, dass sie wieder jeden Tag zur Schule gehen können, und nicht mehr das Gefühl haben, dass an jedem zweiten Tag Wochenende ist. Obwohl die Lehrer engagiert sind, haben wir den Eindruck, dass so manches auf der Strecke geblieben ist: Lernstoff, aber vor allem auch der Kontakt und Austausch mit den Mitschülern. Gerade der spielerische Umgang mit anderen Kindern ist so wichtig, nicht nur für unsere zwei. Ersetzen können wir den nicht. Erst einmal hoffen wir jetzt, dass der Kennenlerntag der neuen Schule für Noah stattfinden darf.

Rieke ist in diesem Jahr in die 5. Klasse gekommen. Zusammen mit ihrer Mutter Kerstin erinnert sie sich an den Abschied aus der Grundschule und die erste Zeit in der 5.

Kerstin: Wenn man wie wir mit dem dritten Kind den Grundschulabschied begeht, dann weiß man ja eigentlich, wie es läuft. An unserer Schule sind immer im zweiten Halbjahr der vierten Klasse viele schöne Aktionen und Ausflüge geplant, die im letzten Jahr größtenteils nicht stattfinden konnten. Zum Glück war die Klassenfahrt bereits ein Jahr zuvor. Darüber bin ich sehr froh, das ist doch mit das spannendste Ereignis für die Kinder in der Grundschule. Sowieso ist es ja auch wichtig, nicht immer Vergleiche zu ziehen, sondern den Moment zu genießen und dankbar zu sein für die Dinge, die umgesetzt werden können. Auf dem Pausenhof der Grundschule hatten wir z.B. eine schöne Abschlussfeier mit Andacht, und im Anschluss haben wir eine coronakonforme Schnitzeljagd organisiert.

Rieke: Oh, der Abschied von der Grundschule ist schon so lange her. Aber ich weiß noch, wie froh ich war, dass wir überhaupt eine gemeinsame Feier haben durften! Als Abschiedsgeschenk und Erinnerung hat jedes Kind einen kleinen Plüschfrosch bekommen, das war schön. Ich war nämlich in der Froschklasse!

Kerstin: Der Start an der neuen Schule lief mühsam. Durch die Masken, die Abstände und die fehlende Möglichkeit, Klassengemeinschaft durch gemeinsame Spiele und Aktionen zu stärken, hat es lange gedauert, bis Rieke wirklich angekommen ist. Obwohl der Klassenlehrer wirklich Großartiges geleistet hat! Auch Verabredungen zu treffen war zuerst schwierig, besonders natürlich im reinen Distanzunterricht. Seit dem Wechselunterricht ist es besser, mit ihrer Gruppe kommt Rieke sehr gut zurecht. Ich bin gespannt, wie es wird, wenn wieder alle Kinder gemeinsam unterrichtet werden. Mir als Mutter fehlen „analoge“ Elternabende und Stammtische, Klassenfeste und Weihnachtsaufführungen. Wir haben kaum neue Kontakte zu anderen Eltern aus der Klasse, und das macht es natürlich auch schwer, sich mal auszutauschen. Zum Glück wurde zumindest mit Beginn des Distanzunterrichts eine Chatgruppe eingerichtet. Ich hoffe, dass im Sommer eine Art Klassenfest möglich sein wird.

Rieke: Die ersten Tage in der neuen Schule haben wir ganz viele Kennenlernspiele gemacht. Zum Glück sind ja auch ein paar Freundinnen aus meiner alten Schule in meine Klasse gekommen. In den Pausen war es nämlich nicht so einfach, mit den Kindern, die ich noch nicht so gut kannte, zu spielen! Nach ein paar Tagen kam ein Fotograf in die Schule, da habe ich das allererste Mal meine Klassenkameraden ohne Maske gesehen. Das war irgendwie komisch. Toll fand ich, dass unser Klassenlehrer mit uns ein Aquarium mit Fischen gekauft hat. Das sind unsere Haustiere! Für das nächste Schuljahr wünsche ich mir, dass ich mich auch mit Kindern aus meiner Klasse verabreden kann, die das momentan wegen Corona nicht dürfen.

Rieke und Amelie mit ihren Müttern (c) kath-derendorf-pempelfort.de

Bei Familie Lohmann berichten Stephanie und Markus von der Einschulung ihres jüngsten Kindes Amelie:

Der Wechsel vom Kindergarten in die Schule ist für alle Beteiligten immer ein aufregendes Ereignis. Ein neuer Lebensabschnitt beginnt und alle möchten, dass der Start in diese neue Phase besonders gut gelingt. Doch wie ist das möglich, wenn plötzlich alles anders ist als gewohnt? Seit März 2020 hatte Amelie den Kindergarten nicht mehr besucht…Freunde und Freundinnen, die sie bis dahin durchs Leben begleitet haben, werden bis heute sehnlichst vermisst, kein Vorschulprogramm, bei dem die Kinder spielerisch auf den Alltag in der Schule vorbereitet werden, keine Abschiedsfeier, Abschluss für einen Neuanfang… immerhin ein Wortgottesdienst mit Segen für die neuen Schulkinder und letztendlich nur ein kurzes Winken und herzliche Worte auf Distanz an der Türschwelle des Kindergartens.
Da macht man sich als Eltern schon Gedanken: Schadet es vielleicht der sozialen und geistigen Entwicklung meines Kindes, wenn es in der Schule so weitergeht?
Und nun ist es fast geschafft, das erste Schuljahr in Zeiten der Pandemie - mit sehr, sehr, sehr vielen Auf´s und Ab´s in allen Bereichen des Lebens.
Mit viel Optimismus, niedrigen Fallzahlen und einem wirklich schön gestalteten Willkommensfest begann der Start ins 1. Schuljahr - und wurde jäh wieder ausgebremst! Zuversicht, Freude, Spaß, Wissensdurst, Stolz, Struktur und Motivation wechselten sich ab mit Stress, Chaos, Lustlosigkeit, Frustration, Angst, Tränen, Wut und Hilflosigkeit, sowohl bei unserer Tochter als auch bei uns Eltern.
Angefangen mit Präsenzunterricht, gefolgt von “Homeschooling“ mit regelmäßigen Videokonferenzen bis hin zum Stand jetzt (Anm. der Redaktion: Mitte Mai) mit in Gruppen aufgeteiltem Wechselunterricht. All das natürlich immer unter der peniblen Einhaltung der AHA-Regeln, wie Abstand halten, Maskenpflicht und weiterhin möglichst wenig Freunde treffen. Letzteres haben wir als besonders schwierig empfunden, denn es geht ja darum, neue Freunde zu finden und Gemeinschaft in der Klasse zu erleben. Zum Glück ist Amelie zusammen mit einer ihrer Freundinnen aus dem Kindergarten in die 1. Klasse gestartet, so war sie nicht ganz allein.
Ein besonderer Dank gilt hier unseren zwei engagierten Klassenlehrerinnen, die mit viel Herz und Verstand für ihren Beruf so viel Struktur wie möglich in den Schulalltag gebracht haben. Mit ihrer Motivation und Hilfe haben es nicht nur wir Eltern, sondern auch Amelie geschafft, das Beste aus dieser nicht normalen Schulsituation zu machen.
Und das ist es doch, was wir uns für unsere Kinder wünschen: das Beste.

Bei Familie Kösters gibt es in diesem Jahr zum ersten Mal mit Pauline ein Vorschulkind. Mutter Cornelia fasst die Erfahrungen der letzten Monate, ihre Wünsche und Hoffnungen zusammen:

Die Auswahl der Grundschule war im vergangenen Jahr eine besondere Herausforderung. Auch wenn wir schon lange die Idee hatten, die Schule „vor der Haustür“ auszuwählen, war ich doch enttäuscht, dass coronabedingt kein „Tag der offenen Tür“ stattgefunden hat und auch die meisten Informationsabende ausgefallen sind. Zum Glück hat die Schule unserer Wahl einen sehr informativen Abend organisiert und danach noch einen kleinen Rundgang durch die Schule ermöglicht. Immerhin!
Dennoch hätte ich mir gerne ein Bild von „unserer“ und ein paar anderen Schulen gemacht, um die Entscheidung abzusichern. Möglicherweise hätte ein Eindruck vom Schulleben und den Menschen dort zu einem guten „Bauchgefühl“ beigetragen. So bleibt unsere Vorstellung von der Schule noch relativ abstrakt und anonym. Pauline hingegen freut sich trotzdem total. Sie spielt gerne auf dem Schulhof und kann den Schulweg schon jetzt alleine gehen. Das gibt ihr genug Sicherheit und Vorfreude für den Schritt in das Schulleben. Alles andere ist eigentlich nicht wichtig. Mein Gefühl, etwas „verpasst“ zu haben, ist somit möglicherweise „nur“ die Idee, dass ohne Corona Anderes oder Besseres hätte möglich sein können.
Auch das letzte Kitajahr verläuft anders als „normalerweise“. Keine Ausflüge, ein eingeschränktes Vorschulprogramm, keine gruppenübergreifenden Angebote…ich finde das sehr schade und gleichzeitig ist mir bewusst, dass Pauline nichts vermisst. Sie trifft in der Kita ihre Freunde und genießt die letzten Wochen. Wie der Abschied aussehen wird, weiß ich noch nicht. Ich hoffe sehr, dass es einen Abschied in Form eines Gottesdienstes, einer kleinen Abschiedsfeier draußen oder ähnliches geben wird. Das wünsche ich mir für uns Eltern und für die Kinder. In nun bald fünf Jahren Kitazeit haben wir eine sehr enge Beziehung zu unserer Einrichtung, den Erzieherinnen und den anderen Kindern und Eltern entwickelt. Ich denke, dass diese schöne und prägende Kindergartenzeit eine Form von Abschluss braucht und nicht einfach aufhören darf. Das ist mein Wunsch! Ansonsten blicke ich sehr zuversichtlich auf den Übergang zur Grundschule. Pauline freut sich auf die Schule, und ich glaube, sie ist gut für diesen Schritt gerüstet. 
Dafür sind wir dankbar.