Gedanken einer Abiturientin

Hallo, mein Name ist Sofia, ich bin 17 Jahre alt und habe dieses Jahr mein Abitur erfolgreich am St. Ursula Gymnasium absolviert. 

Wie hast du die letzten anderthalb Jahre deiner Schulzeit erlebt? Was waren die Herausforderungen? Was war gut? Was hast du vielleicht auch vermisst?

Die letzten anderthalb Jahre waren für mich – und ich denke, ich kann da für alle sprechen – sehr anders und kräftezehrend. Von jetzt auf gleich hat sich das Leben für uns alle um 180 Grad gewendet: Für mich persönlich hieß es nicht mehr, jeden Morgen aufzustehen und in die Schule zu gehen. Ich konnte nicht mehr jeden Morgen mit meinen Freunden darüber sprechen, wie müde wir doch waren oder ob man noch eben die Hausaufgaben abschreiben konnte, da man am vorherigen Tag keine Zeit dazu gefunden hatte. Plötzlich hieß es Home Schooling für alle, obwohl doch so einige Lehrer den Umgang mit der Technik nicht wirklich beherrschten. Nichtsdestotrotz muss ich zugeben, dass sich meine Lehrer schnell an die neue Situation gewöhnten und ich zu Hause effektiver lernte und es mir mehr Spaß machte. Dies lag daran, dass ich mir die Aufgaben und die Zeit so einteilen konnte, wie es mir am besten passte und ich so viel mehr Motivation für die einzelnen Aufgaben und Fächer hatte. 

Trotzdem weiß ich von vielen Mitschülern, die mit dem Distanzlernen viele Schwierigkeiten hatten, da sie unbedingt den Kontakt mit den Mitschülern und Lehrern brauchten, was auch mir trotz der positiven Effekte ganz klar fehlte.

Darüber hinaus sind uns sowohl schulische Veranstaltungen, wie Studienfahrten, Exkurse etc., als auch außerschulische Veranstaltungen, wie einfache Treffen mit Freunden, viele 18. Geburtstage und vieles mehr verwehrt geblieben. Zwar sind die Zahlen in den letzten Wochen so stark gesunken, dass wir eine feierliche Zeugnisvergabe mit Eltern sowie einen Abi-ball nur mit den Schülern und den nötigen Sicherheitsvorkehrungen veranstalten konnten, dennoch konnte man dies nicht mit den „normalen“ Feiern vergleichen.
Die Pandemie und ihre Auswirkungen haben also zwei Seiten: Einerseits brachte uns das Distanzlernen viel Eigenverantwortung und Selbstständigkeit sowie einen guten Umgang mit der Technik 
(vor allem für die Lehrer ;-) ) bei, doch andererseits fehlte uns allen das Zwischenmenschliche sehr, in der Schule, aber auch in unserer Freizeit.

Was sind die Wünsche für deine Zukunft? Und vielleicht nicht nur deine, sondern für die Zukunft der Menschen auf der Welt?

Mein Wunsch für meine Zukunft ist, dass ich trotz der derzeitigen Situation den richtigen Weg finde, um glücklich zu werden, und das wünsche ich auch allen anderen Abschlussjahrgängen. 

Natürlich hoffe ich auch auf ein baldiges Ende der Pandemie, sodass nicht weitere Jahrgänge den Abschluss ihrer Schule nicht richtig feiern können. 

Allerdings wünsche ich mir auch, dass mehr auf die Jugend geachtet wird. Gerade in dieser schwierigen Zeit haben wir viel für die Älteren aufgeopfert und haben uns sehr zurückhalten müssen. Ich finde es schade, dass uns zwar gesagt wird, dass wir in der besten Zeit unseres Lebens sind und doch bitte so viel wie möglich daraus machen sollen, dennoch werden wir oft nicht beachtet oder nur belächelt. 

Natürlich verstehe ich, dass jeder von uns mit der Pandemie zu kämpfen hat und seine eigenen Hindernisse zu überwinden hatte und hat, dennoch ist es wichtig, denen zu helfen, die stark unter der Pandemie leiden mussten, und das ist nun mal unter anderem die Jugend. 

Vor allem die Abschlussjahrgänge müssen nun entscheiden, was sie aus ihrem Leben machen wollen, in einer Welt, in der sich ständig etwas ändert und man nichts wirklich planen kann. Hinzu kommt, dass man sich fast ausschließlich im Internet informieren kann (da Informationsmessen abgesagt wurden und persönliche Treffen mit Beratern nicht wirklich möglich sind), was dazu führt, dass man auf jeder Seite neue, teilweise widersprüchliche Informationen findet. Dies ist eine große Herausforderung, die sich sehr schnell zu einer Überforderung entwickeln kann. Umso wichtiger ist es nun, Menschen an seiner Seite zu haben, die einen unterstützen, sei es auch nur emotional. 

Mein Wunsch für die Welt ist, dass den Jugendlichen geholfen wird, das Richtige für sich zu tun, eben das, was sie glücklich macht.