schaut hin - Ökumenischer Kirchentag 2021

Als die Jünger vor der unmöglichen Aufgabe stehen, spontan 5.000 Menschen zu verpflegen, sagt Jesus zu ihnen: „Wie viele Brote habt ihr? Geht hin und seht nach!“. Die Jünger finden fünf Brote und zwei Fische. Jesus lässt die Jünger austeilen, was da ist – und das Wunder geschieht: Beim riesigen Picknick auf einer großen Wiese werden alle Menschen satt (Markus 6,30-44).

Brot und Fisch (c) kalth-derendorf-pempelfort.de

Das Leitwort des ökumenischen Kirchentags 2021 „schaut hin“ steht so wörtlich nicht im Bibeltext. Zwei Verben sind es im Griechischen, beide in der Befehlsform: „hypagete, idete“: „geht hin, seht nach“. Die Formulierung „schaut hin“ sei eine Verdichtung dieser Kombination aus ‚geht hin‘ und ‚seht nach‘, erklärt Marc Frings, der Generalsekretär des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK). Man kann es auch als eine Interpretation dieser doppelten Tat verstehen: sich bewegen, Ausschau halten und dann etwas daraus machen. Lange und sehr intensiv hat das Präsidium des 3. Ökumenischen Kirchentages, das aus 45 Menschen verschiedener christlicher Konfessionen besteht, über die Auswahl und die Formulierung des Leitwortes nachgedacht. Dabei war es ihnen auch wichtig, dass man es leicht versteht. 
„schaut hin“ soll ein Appell an uns alle sein, denn schauen ist mehr als sehen. Schauen nimmt wahr und geht nicht vorbei. Schauen bleibt stehen und übernimmt Verantwortung. Aktiv Verantwortung zu übernehmen, ist unser Auftrag als Christinnen und Christen.
„schaut hin“ ist klein geschrieben, weil es sowohl als Imperativ als auch Indikativ zu verstehen ist: Er/Sie/Es schaut hin, aber eben auch Gott schaut hin. Es ist mehr als ein Appell. Schließlich bezieht es sich auf eine biblische Geschichte, die sehr zentral Gottes Fürsorge in den Blick nimmt. Unsere Verheißung, aus der wir Mut, Kraft, Zuversicht und Hoffnung schöpfen. Das, was der Mensch als Mangel wahrnimmt, kann Gott zur Fülle weiten: Es ist genug.
Das Leitwort fordert auf, hinzuschauen. Handeln beginne mit Wahrnehmen von Leid und Sorge, von Schönheit und Glück. In diesem Sinne will der Ökumenische Kirchentag in Frankfurt in die Welt, auf die Sorgen und Ängste der Menschen schauen und mit ihnen gemeinsam nach Lösungen suchen.
Als Grundlage für die einzelnen Veranstaltungen des Ökumenischen Kirchentages, spannt sich das Leitwort quer über die drei Leitfragen:

  • Alles eine Frage des Glaubens und Vertrauens?
  • Zusammenhalt in Gefahr?
  • Eine Welt - Globale Verantwortung?

Immer geht es auch um Gerechtigkeitsfragen: Schutz, Teilhabe, Verteilung von Gütern, Verteilung von Rechten, Verantwortung. schaut hin ist aber genauso die Anfrage: Was übersehen wir? Wovor verschließen wir die Augen? Wo schauen wir weg? Die Botschaft des schaut hin beschränkt sich nicht auf das bloße Hinsehen, sondern fordert zum Perspektivwechsel und zum aktiven Handeln auf. Wir haben die Freiheit, Entscheidungen zu treffen, und sind deshalb selbst verantwortlich, Änderungen herbeizuführen. Diese Verantwortung kann nicht leichtfertig an eine übergeordnete Institution oder Organisation abgeschoben werden. Jeder Mensch kann etwas bewirken.
Das Leitwort ermutigt daher: Glaubt an Euch, dann könnt Ihr etwas bewirken und verändern.

DIGITALE URAUFFÜHRUNG - Oratorium EINS

Zwei Frauen spinnen den Erzählfaden des Oratoriums, das sich vielfach an die Apostelgeschichte anlehnt. Die Journalistin Julia reist für eine Recherche aus unserer Gegenwart in die Zeit der Urchristen. Sie begegnet Junia, die Paulus in Röm 16,7 nicht nur als Verwandte, sondern auch als herausragende Persönlichkeit unter den Apostelinnen und Aposteln grüßt. Beide begegnen den Aposteln Petrus und Paulus, werden konfrontiert mit Konflikten zwischen dem heiden- und judenchristlichen Christusverständnis. Julia erlebt, wie die jungen Gemeinden das Oster- und Pfingstgeschehen feiern – erfährt aber auch von der Eskalation des Konfliktes, die in die Steinigung des Stephanus mündet.
Die digitale Uraufführung des Oratoriums EINS erfolgt als Teil des digitalen ÖKT am 14. Mai um 20 Uhr auf oekt.de. Die Nutzung des Livestreams ist kostenfrei. © EINS
 „Das Besondere an der Entstehung des Stückes ist auch sein komplett ökumenischer Charakter“, sagt Eugen Eckert, Frankfurter Stadionpfarrer. Gemeinsam mit Helmut Schlegel, Franziskaner und Priester, hat er das Libretto für dieses Oratorium ersonnen.
Die Idee zu dem gigantischen Stück hatten Landeskirchenmusikdirektorin Christa Kirschbaum der EKHN und Diözesankirchenmusikdirektor Andreas Großmann vom Bistum Limburg, die vor drei Jahren eigens eine ökumenische Arbeitsgemeinschaft aus Kirchenmusiker*innen zusammengerufen hatten, deren Aufgabe darin bestand, Ideen für gemeinsame (Groß-)Projekte beim Ökumenischen Kirchentag in Frankfurt zu entwickeln. Ihre Vision war es ursprünglich, im Frankfurter Stadion den „größten ökumenischen Chor der Welt“ mit vielen tausend Sänger*innen und Musizierenden zu präsentieren.
Die Besetzung wurde den Hygieneauflagen angepasst: Vier Solist*innen singen zu den Klängen der Neuen Philharmonie Frankfurt am Main. Das rund 50-köpfige Orchester mit seiner Band spielt unter der Leitung des Wetzlarer Domorganisten Valentin Kunert. Außerdem dabei sind ein Auswahlchor von Studierenden der Musikhochschule Frankfurt unter der Leitung von Professor Florian Lohmann und die Frankfurter Co-Op Dance Company.
Um den ursprünglichen Charakter des „Oratoriums zum Mitsingen“ zu erhalten, sind Virtual Choir-Einspielungen eines Kinderchores (Frankfurter Domsingschule), eines Chores aus hauptamtlichen Kirchenmusiker*innen (Bistümer Limburg, Mainz und Fulda, Evangelische Kirchen in Hessen-Nassau und Kurhessen-Waldeck, sowie der ACK Hessen-Rheinhessen) und einem Bläserensemble der EKHN geplant.
Künstlerisch zusammengebunden wurde dies alles unter der Regie von Uwe Hausy, Referent für Spiel und Theater der EKHN. Komponiert wurde das rund 90-minütige Werk von den Kirchenmusikern Peter Reulein vom Bistum Limburg und Bernhard Kießig.

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