Mariä Himmelfahrt und die Kräuter

Strauß

In diesem Heft werden wir ein bisschen traditionell und reden über Mariä Himmelfahrt und die sogenannte Kräuterweihe. Hier, mitten in der Großstadt, wirkt das vielleicht noch ein bisschen mehr aus der Zeit gefallen als auf dem Land. 

In manchen Budesländern ist der 15. August, an dem dieses Fest gefeiert wird, sogar ein Feiertag, bei uns in Nordrhein-Westfalen nicht. 
Dieses Fest ist vielleicht aus dem Blick geraten, aber vor allem die Älteren unter uns haben noch eine Verbindung dazu. Man hört ganz viele Geschichten vom Brauchtum aus der Kinderzeit oder aus der Heimat in anderen Regionen Deutschlands.

Auch bei uns in der Gemeinde wird es hochgehalten. Am Vortag von Mariä Himmelfahrt werden viele Kräutersträußchen gebunden, die dann in einer Andacht gesegnet werden und anschließend mit nach Hause genommen werden können.

Aber was hat es mit diesem Brauchtum auf sich?
Mariä Himmelfahrt ist schon ein sehr altes Fest, das schon beim Konzil von Chalcedon im Jahr 451 erwähnt wurde. Auf Latein heißt es: Assumptio Beatae Mariae Virginis, die korrekte Bezeichnung des Festes lautet Aufnahme Mariens  in den Himmel. Viele kennen dieses Fest auch noch unter einem anderen Namen, nämlich Mariä Entschlafung. Biblisch wird die Aufnahme Mariens in den Himmel nicht erwähnt. Sie findet sich aber in Texten aus ähnlicher Zeit, z. B. in den Evangelien, welche nicht in die Bibel aufgenommen wurden, den so genannten Apokryphen Evangelien. 
Eine Legende sagt, dass Christus drei Tage nach dem Tod Mariens auf der Erde erschienen ist, um sie in den Himmel zu begleiten. Als man das Grab öffnete, fand man nur noch Rosen und wohlriechende Kräuter. Ob diese Legende der Ursprung dafür ist, dass Kräuter eine so große Rolle an diesem Fest spielen, ist heute nicht mehr nachzuvollziehen. Möglichweise hat das Ganze auch eher mit der Jahreszeit zu tun, in der viele Kräuter am Wegesrand wachsen und es an vielen Orten bis heute Brauch ist, durch Wald und Wiesen zu ziehen und sie zu sammeln. 
Heute hat das etwas von Folklore, aber es gab eine Zeit, in der es keine modernen Medikamente gab, und da war es zwingend notwendig, die wichtigsten Kräuter zu sammeln, zu trocknen und der Hausapotheke zuzuführen. Hildegard von Bingen beschreibt z.B. die Wirkung von Kräutern. Manches davon erlebt heute eine Renaissance, und auch Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen schauen in die alten Überlieferungen, um verlorenes Wissen in der Moderne nutzbar zu machen. Das Leben im Rhythmus der Natur haben wir verlernt. Wie wir aktuell merken, ist es aber – um unsere Welt zu bewahren – notwendig, es wieder zu erlernen.

Aber zurück zum Brauchtum: Üblich ist es bis heute, sogenannte Kräutersträußchen bzw. Kräuterbuschen zu binden, traditionell z.B. mit diesen Kräutern: Alant,  Echtes Johanniskraut, Wermut, Beifuß, Rainfarn, Schafgarbe, Königskerze, Kamille, Thymian, Baldrian, Eisenkraut und verschiedene Getreidesorten. Ganz traditionell spielt auch die Anzahl der Kräuter eine Rolle. Von 7 bis 99 Kräutern gibt es da verschiedene Bräuche. Die Kräutersträußchen werden gesegnet und dann irgendwo im Haus aufgehängt, zu Tee gemacht, dem Viehfutter beigemischt, mit in den Sarg gelegt oder auch ins offene Feuer geworfen, als Schutz gegen Blitz und Seuchen. Dieser Brauch mag für uns aus der Zeit gefallen sein, die Bedeutung der Symbolhandlung dahinter finde ich aber nicht: 
Mit Gottes Hilfe die Kräfte der Natur zugunsten von Mensch und Tier einzusetzen, immer in dem Wissen, dass die Fülle in der Natur liegt, dass das aber, was wir als Menschen tun, begrenzt ist, dass wir den Segen und die Begleitung Gottes brauchen, und das Wissen, dass es auf Leib und Seele ankommt, um zu heilen.

Im Folgenden haben wir kleine Gebete mit einigen Kräutern zusammengestellt, die in unseren  Sträußchen vorkommen.

Die Rose

Rose

steht für Maria, die Mutter Gottes. Sie ist aber auch als Heilpflanze bekannt. Ihre Öle haben entzündungshemmende, hautpflegende und beruhigende Wirkung. 

Herr, unser Gott, 
wir bitten dich für alle Menschen, deren Geist, Körper oder Seele entzündet ist. 

Der Thymian

Thymian

wirkt schmerzstillend und desinfizierend. 

Herr, unser Gott, 
wir bitten dich für alle Menschen, die mit dem drohenden Verlust oder dem Verlust eines oder mehrerer geliebten Menschen fertig werden müssen oder selber auf den eigenen Tod warten.
Stehe du ihnen bei und zeig ihnen Zeichen deiner Nähe.

Getreide

Getreide

ist ein Zeichen für unser tägliches Brot, die Nahrung und alles andere was wir zum Leben brauchen. 

Herr, unser Gott, 
wir bitten mit dem Vater unser: Unser tägliches Brot gibt uns heute.
Hilf uns mit den Ressourcen, 
die du uns schenkst, nachhaltig umzugehen, damit Leben auch für spätere Generationen möglich ist.

Der Beifuß

Beifuß

wird eine wärmende und krampflösende Wirkung nachgesagt. 

Herr, uns Gott, 
wir bitten dich für alle Menschen, die die Wärme und Nähe eines anderen Menschen aufgrund von Konflikten missen müssen. 
Hilf ihnen, da wo es möglich ist, Versöhnung zu wagen, und dort wo es nicht möglich ist, Wege zu finden, mit dem Schmerz so umzugehen, das er weniger lähmend ist.

Der Lavendel

Lavendel

soll unter anderem die Nerven beruhigen. 

Herr, unser Gott, 
wir bitten dich für alle Menschen, die Gelassenheit und Geduld nötig haben. 
Hilf ihnen, innere Ruhe zu finden.

Der Wermut

Wermut

verspricht Kraft, Mut und Schutz.

Herr, unser Gott, 
wir bitten dich für alle Menschen, die durch eine Katastrophe aus ihrem Alltag gerissen wurden.
Schenke ihnen Hoffnungszeichen und Menschen, die ihnen Mut und Kraft geben, das Leben neu zu wagen.