Gaby Geagea (c) Gaby Geagea

In diesem Jahr mit Corona geht es den Libanesen schlechter als in all den vielen Kriegsjahren. Die Arbeitslosigkeit bei Jugendlichen liegt bei 30 bis 40%, die Visumsanträge, um das Land zu verlassen, sind im fünfstelligen Bereich, steigende Hungersarmut, medizinischer Versorgungsmangel mitten in Corona-Zeiten, Pleiten vieler (auch kirchlicher) Institutionen. Es fehlt nicht nur eine Lösungsperspektive, sondern der Sinn für all das unnötige Leid und die Armut in einem Land, dessen Gesellschaft in großen Teilen gebildet und kompetent ist. Es ist, als wäre das Land auf der Intensivstation, zwischen Leben und Tod. Wir wissen nicht, wie es weitergehen kann.
Seit dem 4. August kommen wir alle nicht zur Ruhe! Die Bilder, die Nachrichten aus Beirut haben sich in unsere Herzen eingebrannt, lassen uns nicht zur Atempause kommen. Die schwierige Situation im Libanon war uns schon vorher bewusst; nun hat die Explosion die Lage noch ver-schärft. Der Libanon ist als Geisel genommen, und seine Befreiung wird leider nicht von heute auf morgen geschehen. Die Katholische Kirchengemeinde Heilige Dreifaltigkeit mit Pfarrer Dölle, St. Lukas – wo sich unsere Gemeinde zuhause fühlt – und viele Katholiken aus Düsseldorf zeigen sich mit uns solidarisch, um Leid zu lindern.
Zusammen mit den Gemeinderäten hier in Deutschland haben wir um eine Spendenaktion gebeten. Viele Gemeindemitglieder haben einen Beitrag geleistet. Fast alle unsere Gemeindemitglieder unterstützen ihre Verwandten, Freunde und Bekannten im Libanon – seit Jahren schon und jetzt erst recht. Ich bin dankbar für die vielen guten Initiativen, die von Ihnen kamen und wie Sie sich persönlich für Hilfe aus Deutschland eingesetzt haben. 
An dieser Stelle möchte ich nochmals betonen: Die Maronitenmission Deutschland ist seit nunmehr zehn Jahren nachhaltig etabliert; getragen und unterstützt von der Katholischen Kirche. DANKE! 
Mit herzlichem Gruß
Prior Gaby Geagea c.m.l
Pfarrer & Delegat

Rita Rahi (c) kath-derendorf-pempelfort.de

Ich komme aus dem kleinen katholischen Dorf Raas Baalbeck an der Grenze zu Syrien, welches ungefähr 130 km von der Hauptstadt Beirut entfernt ist. Seit 23 Jahren lebe ich mit meinem Mann und meinen Kindern hier in Deutschland. 
Viele von meinen Bekannten haben bis zu der Katastrophe am Hafen gearbeitet und haben Familien mit geringem Einkommen unterstützt. Jetzt fällt diese Unterstützung weg, da sie ihre Arbeit verloren haben.
Dazu ist unser Dorf auch noch stark von dem Coronavirus betroffen, was  ein weiterer Rückschlag ist, da das nächstgelegene Krankenhaus 40 km entfernt ist. Es fehlen jegliche Ressourcen im Dorf, um dieses Virus gut überstehen zu können, und somit erreichen uns jetzt von Tag zu Tag neue Nachrichten von Todesfällen und neuen Infektionen. Das Land befindet sich zudem noch in einer massiven Finanzkrise, was für viele im Dorf bedeutet, dass ihr Einkommen nicht mehr ausreicht, damit sich die Familien medizinisch versorgen und sich gleichzeitig eine ausreichende Ernährung leisten können. Was auch noch dazu kommt, ist, dass die Kinder nicht zur Schule gehen können und online Unterricht haben, was für viele nicht möglich ist.
Ich lebe zwar schon lange hier, aber meine Gedanken und mein Herz sind in dieser Zeit nur bei meinen Freunden und meiner Familie in meiner Heimat. Ich hab mir noch nie so viele Sorgen gemacht und fühle mich machtlos, da ich alleine nicht viel machen kann. Vor allem, da mit dem Winter die schwierigste Zeit noch bevorsteht.

Ich bin sehr dankbar, dass sich nach der Katastrophe viele aus der Gemeinde bei uns gemeldet haben und mir somit gezeigt haben, dass ich nicht alleine bin.

Rita Rahi

Georges E. Hachem (c) kath-derendorf-pempelfort.de

Hallo liebe Gemeindemitglieder, 
als ich von Samir Antonios, unserem Sekretär der Maroniten Mission Düsseldorf, und der Pastoralreferentin Frau Arndt angesprochen wurde, ob ich einen Beitrag im Magazin 7x2 zum Thema Libanon schreiben möchte, habe ich ohne darüber nachzudenken sofort zugesagt. 
Ich wollte unbedingt die Gedankenwelt und die emotionale Brücke zwischen meinem Heimatland Deutschland und dem Heimatland meiner Eltern - dem Libanon - mit den Gemeindemitgliedern teilen. Meine Eltern stammen aus Debl, einem kleinen maronitisch-christlichen Dorf im Süden an der libanesisch-israelischen Grenze.
Kurz zu meiner Person: Ich bin Georges Hachem, 28 Jahre alt, in Düsseldorf geboren, und seit der Gründung im Jahr 2012 Mitglied im Pfarrgemeinderat der maronitischen Gemeinde Düsseldorf in St. Lukas - zuständig für die Jugendarbeit. Vor der Gründung der maronitischen Gemeinde war ich gemeinsam mit meinem Bruder Gilbert Hachem Messdiener und später Messdienerleiter in der katholischen Kirchengemeinde St. Elisabeth und Vinzenz. Als Absolvent der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf arbeite ich heute für das Unternehmen L’Oréal Deutschland, das unweit der Lukaskirche sitzt. 

Schon allein bei der Nennung dieser wenigen Fakten zu meiner Person fällt Ihnen bestimmt auf, dass ich einerseits als waschechter „Düsseldorfer Jong“  tief mit meiner Heimat verwurzelt bin und gleichzeitig die libanesische Kultur mit all ihren Facetten in mir trage. Diese wunderschöne Fusion beider Welten empfinde ich jeden Tag als eine absolute Bereicherung in meinem Leben und freue mich, dass ich meinen Beitrag für die Stärkung des interkulturellen Zusammenlebens leisten kann.
Eine Dimension dieser engen Verbundenheit mit meinen libanesischen Wurzeln ist der enge Kontakt  zu meinen Familienmitgliedern und Freunden im Libanon. Über die Explosion am Hafen der Hauptstadt Beirut habe ich demnach auch über die sozialen Medien erfahren. Über „Instagram“ habe ich unmittelbar nach der Explosion Nachrichten und kurze Videosequenzen der Explosion zugeschickt bekommen. Dabei habe ich im ersten Moment gar nicht verstanden, was mir da zugesendet wird. Explosion? Ich dachte, es sei irgendeine Explosion der Vergangenheit oder eine Sequenz aus einem Hollywood-Film, die mal wieder über die sozialen Medien verbreitet wird. Ich brauchte weitere fünf Minuten und gefühlt zwanzig weitere Nachrichten und Videosequenzen aus anderen Perspektiven, um zu erkennen, dass es sich um Beirut handelte. Beirut heute. Jetzt gerade. 
Sofort kontaktierte ich meine Mutter hier in Düsseldorf, um nachzufragen, ob sie es mitbekommen hatte. Sie war total aufgewühlt und hatte schon das erste Telefonat mit einer ihrer in Beirut lebenden Schwestern geführt. Alle telefonierten. Es verging eine gefühlte Ewigkeit, bis klar wurde, dass zumindest aus unserer Familie - Gott sei Dank - alle überlebt hatten. Unabhängig von materiellen Schäden, eingestürzten Decken, zerbrochenen Fenstern, zerstörter Strom- und Wasserversorgung, ein paar Schnittwunden durch herumfliegendes Glas und psychischen Traumata - inklusive unvergesslichem Schock - war gar nichts passiert. Wir hatten Glück gehabt, denn viele andere Familien haben ihre Geliebten verloren und wurden durch die völlige Zerstörung ihrer Häuser und Wohnungen obdachlos.
Das Schlimmste an der ganzen Situation aber war die Ohnmacht. Ich fühlte mich wie in einem schlechten Film, denn über die Medien las ich die ersten Berichte über die zweitgrößte Explosion  der Weltgeschichte (nach Hiroshima), ich wurde mit Nachrichten und Live-Eindrücken geflutet, fühlte mich durch die sozialen Medien, die Telefonate und die Medienberichte wie mittendrin. Aber auch nur wie mittendrin. Real saß ich mit ausgestreckten Beinen in der prallen Düsseldorfer Sommersonne im friedlichen Garten. Eine wirklich surreale Situation, denn die Diskrepanz hätte kaum größer sein können.
Neben der Explosion ist auch die Corona-Situation im Libanon in einer sehr kritischen Phase, und nebenbei plagt die größte Wirtschafts- und Finanzkrise das Land. Auch eine Währungskrise mit dramatischem Wertverfall kommt noch oben drauf. Bürger können nur wenige hundert US-Dollar pro Monat von der Bank abheben und kommen so nicht einmal an ihr verdientes Gehalt heran, mit dem sie ohnehin aufgrund der dramatisch gesunkenen Kaufkraft kaum mehr den Lebensunterhalt bestreiten können. 
Das bedeutet, nicht einmal von mir privat transferiertes Geld aufs Bankkonto von Verwandten als schnelle Hilfe kommt tatsächlich an. Es bleibt nichts anderes übrig, als mit zentralen Spenden über Nichtregierungsorganisationen oder kirchliche Träger zu handeln. Hier ist der Wirkungsgrad der Hilfe maximal und kommt direkt bei den Bedürftigsten der Gesellschaft an.
Den guten Kontakten unseres Priors Pater Gaby sei Dank, haben wir eine direkte Verbindung durch die Bank für Kirche und Caritas E.G.
Wenn Sie sich jetzt fragen, wohin geht das Geld? Wie und wo wird es konkret eingesetzt? Wir haben mit den Pfarrgemeinderäten der Maroniten Mission Deutschland entschieden, die Geldspenden direkt an die kirchliche Hilfsorganisation „MENSYIN“, betreut von Pater Jean Abou Khalife CML, zu geben. „MENSYIN“ leistet eine tolle Arbeit auf verschiedenen Gebieten im Zusammenhang mit der Explosion. Für weitere Informationen besuchen sie gerne www.maronitenmission.de.
Oder kontaktieren sie mich gerne direkt über Instagram unter „georges_e_hachem“ oder per E-Mail über „georges.hachem@web.de“.
Ich freue mich auf Ihr Feedback oder Rückfragen zu dem Thema. 
Ihr
Georges E. Hachem

Bankverbindung für Spenden:
Congregation libanesisch-maronitischer Missionare e.V.
IBAN: DE38 4726 0307 0021 4703 00
BIC: GENODEM1BKC
Referenz: Spende Libanon