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Im Pfarrgarten der Barbarastraße steht seit einiger Zeit eine Skulptur von Ernst Hesse. Wir haben ihn zum Gespräch getroffen.

Herr Hesse, Sie sind Bildhauer, Fotograf, Zeichner – ein vielseitiger Künstler unserer Stadt. Ihr Werdegang begann an der Kunstakademie.
Ja, ich habe dort allerdings spät begonnen, nach zehnjähriger Berufstätigkeit als Bauzeichner und Einrichtungsplaner. Ich lernte damals Schüler aus der ehemaligen Beuys-Klasse kennen, die mich motivierten, mich zu bewerben. Das habe ich dann gemacht, mit etwa 1000 Zeichnungen; und auf einmal war ich drin und habe mich ganz auf die Kunst konzentrieren können. Heute bin ich 72, wohne hier im Viertel und habe ein wunderschönes Atelier.

Ihre Skulpturen stehen sogar in Japan, aber auch in München und hier in Düsseldorf im Ehrenhof. Wie kam es dazu, dass nun eine in
unserem Pfarrgarten ihren Platz fand?
Ich bin mit meinem Atelier umgezogen und suchte einen neuen Platz für die Skulptur. Den Garten kannte ich, weil ich immer wieder
an ihm vorbei gelaufen bin und ihn so beeindruckend fand. Außerdem freue ich mich jedes Mal, wenn ich sonntags hier im Viertel die Mitglieder der ghanaischen Gemeinde vor der Messe sehe. Und da wusste ich, dass es sehr schön wäre, wenn die Skulptur hier stünde. Also habe ich Pfarrer Dölle geschrieben und ihn einfach gefragt. 

Die Skulptur hat eine Verbindung zu Ghana?
Sie heißt Hoffnung – Nye Nyame. Das ist Akan, eine der in Ghana gesprochenen Sprachen, und es bedeutet „Wer alles weiß und sieht“.
2002 war ich in Ghana und habe dort mit einheimischen Künstlern zusammen Projekte im öffentlichen Raum realisiert. Anschließend
ist die Skulptur entstanden. Inspiriert hat mich zum einen mein Vater, der während meines Aufenthalts in Ghana gestorben ist. Mein Vater wollte Seemann werden. Daher hat die Skulptur Elemente einer Schiffsform. Zum anderen habe ich bei meinem Besuch in Ghana so viel Aufbruch gespürt. Ich hatte das Gefühl, dass Afrika im Aufbruch ist und sich nach Europa bewegen würde. So viele Menschen hatten Sehnsucht. Und da habe ich dieses Hoffnungssymbol vor Augen gehabt. Die Skulptur entstand aus diesen Gefühlen.

Stand der Name vor der Skulpturschaffung fest?
Nein. Das ist ohnehin ganz unterschiedlich – am liebsten arbeite ich ohne Titel. Denn der Titel, der ist ja nur meine Inspiration; mir
selbst ist der Name gar nicht wichtig. Die Menschen, die die Skulptur betrachten, haben ja ganz andere, eigene Inspirationen. Das sehe ich besonders bei Kindern - die kommen und sagen „Das sieht aus wie ein Stiefelknecht“ und bringen das Stück in ihre eigene viel offenere und freiere Begriffswelt, das finde ich ganz schön. Der Dialog, der zwischen dem Objekt und dem Menschen entsteht, bringt ihnen Erinnerungen zurück, und das gefällt mir.

Kommunikation spielt ohnehin eine große Rolle in Ihrem Leben und Ihrer Kunst, oder?
Kommunikation ist das Grundthema in meiner Arbeit. Mit Menschen über meine Arbeit zu kommunizieren, ohne dass nur ich dabei
pausenlos spreche. Ich selbst stehe nicht im Vordergrund, sondern meine Arbeiten. Und wenn diese eine Möglichkeit haben, Kontakt zu
den Menschen zu bekommen, z.B. Erinnerungen an Erlebnisse auszulösen, dann ist mir das sehr lieb. Ich bleibe lieber ein bisschen hinter meiner Arbeit.

Wenn so eine Form, eine Skulptur entsteht…kommt das aus Ihrem Innersten heraus? Fangen Sie an und wissen zu Beginn noch gar
nicht konkret, was es wird?
Genau. Ich hatte mal ein Interview mit dem Komponisten Simeon ten Holt aus Bergen, dem ich diese Frage auch gestellt habe. Und der hat gesagt, das seien Ablagerungen. Die lagern sich ab, und irgendwann will das nach draußen, und wenn der Zeitpunkt da ist, dann kommen die raus... man kann das nicht erzwingen. Und in diesen Worten finde ich mich wieder. Da liegt eine Stahlplatte vor mir, und ich weiß noch nicht oder habe vielleicht nur eine Ahnung, wie ich anfange. So war es auch mit der Form hier im Garten. Ich habe mir gedacht, ich mache diese Skulptur – und die war dann irgendwann da.

Das Gespräch führte Eva Koch
(Pfarrgemeinderat).