Kirche in Düsseldorf - eine Vision

Stadtdechant Frank Heidkamp mit Elke Chladek und Peter Krawczak (c) Stadtdechant

Die Zukunft der Katholischen Kirche im Erzbistum Köln und besonders in Düsseldorf beschäftigt zurzeit viele Menschen. Der Katholischen Kirche in Deutschland weht ein heftiger Wind ins Gesicht und schüttelt das Schiff Kirche kräftig durch. Katholiken verlassen reihenweise die Kirche, Heilige Messen sind ihnen fremd geworden. Durch die Missbrauchsdebatte ist Vertrauen verloren gegangen. Themen, die auf der Seele brennen, wie die Themen: Macht, Sexualität, Frauen in der Kirche – um nur einige zu nennen, sind zu wenig im Blick. 
Kirche muss sich verändern. Die Zeit der Volkskirche ist vorbei. Hinzu kommt, dass es bis 2030 im Erzbistum Köln einen ca. 50%igen Rückgang der Anzahl der Pastoralen Dienste und eine Finanzierungslücke von ca. 100 Mio Euro geben wird. 
Das Erzbistum Köln hat sich deshalb auf einen pastoralen Weg gemacht. Wie kann es gelingen, in der heutigen Zeit Jesus Christus und seine Botschaft den Menschen nahezubringen? Wie kann Jesus Christus spürbar werden? 
Während vor Jahrzehnten die Botschaft Jesu Christi von „Theologischen Experten“ verkündet wurde, sind heute alle Christen aufgefordert, die Botschaft zu den Menschen zu tragen. Kardinal Höffner sprach immer von einer „Geh hin Kirche“. Wenn wir abwarten, bis Menschen zu uns kommen, können wir lange warten. Wir müssen dahin gehen, wo die Menschen leben, arbeiten und ihre Freizeit verbringen. Dabei gilt es, nicht den Glauben überzustülpen, sondern erst einmal zu hören und zu sehen, was Anliegen und Themen der Menschen sind. Die Menschen von heute docken nur noch in bestimmten Lebenssituationen an Kirche an, bei der Geburt der Kinder, vielleicht bei der Erstkommunion und Firmung, bei der Trauung und bei der Beerdigung. Sie suchen religiöse Ansprechpartner in Notsituationen und bei Lebensfragen. Dabei sind wir als Kirche nur ein Angebot der Hilfe unter vielen. Umso wichtiger ist es, mitten unter den Menschen vor Ort zu sein. 
Bis 2030 wird es voraussichtlich im Erzbistum Köln nur noch 50-60 Pfarreien geben. Was das für Düsseldorf heißt, wird im nächsten Jahr vor Ort diskutiert und erarbeitet werden. Das bedeutet, die Verwaltungsebene Pfarrei wird größer. Das Leben findet aber weiterhin vor Ort statt, hier gilt es die Gemeinden zu stärken, zu begleiten und zu fördern. Menschen werden da Kontakt aufnehmen, wo sie sich wohl fühlen oder Heimat finden. Dabei werden diese Kontakte immer weniger auf Dauer sein, sondern sehr punktuell und situationsbezogen. Dies spricht für mehr Projektarbeit.
Der französische Bischof Jacques Gaillot hat einmal gesagt: „Eine Kirche, die nicht dient, dient zu nichts!“ Der Blick für die Menschen am Rande und in Notsituationen muss intensiv geschärft werden. Wenn etwas in Kirche zurzeit positiv bewertet wird, ist es die Caritasarbeit. Und damit meine ich nicht nur die „professionelle Arbeit“ der Caritasverbände, sondern den alltäglichen Einsatz vieler Ehrenamtler. Das Miteinander auf Augenhöhe, die gegenseitige Wertschätzung, sollte das Leben der Kirche prägen. 
Gerade in den letzten Monaten hat sich gezeigt, wie notwendig im Bereich der digitalen Welt eine Aufrüstung ist. Videokonferenzen, Podcasts, gestreamte Gottesdienste, Meditationen auf YouTube und viele andere Angebote haben geholfen, in Kontakt miteinander zu bleiben, vielleicht sogar neue Menschen für Kirche zu gewinnen. Social Media ist eine Chance für die Zukunft. 
Auf Düsseldorfer Stadtebene gilt es, die Gemeinden und Verbände zu unterstützen und zu stärken. Im Katholikenrat, bei der Runde der 15, beim Treffen der Leitenden Pfarrer und bei weiteren übergeordneten Gremien sollten gemeinsame Projekte initiiert werden. Mit #himmelsleuchten wurden dabei gute Erfahrungen gesammelt 
Ökumenische und interreligiöse Zusammenarbeit muss noch stärker in den Blick geraten. Ein Rat der Religionen wird dafür Ende 2020/Anfang 2021 in Düsseldorf gegründet. 
Düsseldorf ist eine weltoffene, internationale Stadt. Viele Touristen kommen nach Düsseldorf, Menschen aus vielen Ländern dieser Welt leben und arbeiten hier. Offene Kirchen, einladende Gemeinden könnten ihnen einen Eindruck von gelebtem Miteinander geben. Kirchenführungen könnten sie für unsere Kirchen und ihre Geschichte begeistern. 
Das Maxhaus als pastorales Begegnungszentrum und die Cityseelsorge mit ihren Partnern sind eine Einladung auch für Kirchendistanzierte und Suchende. 
In unseren Pfarreien und Seelsorgebereichen, in den Verbänden und Organisationen gibt es so viel Gutes zu entdecken. Diese Kreativität und Innovationen aufblühen zu lassen, die Schönheit des Glaubens sichtbar werden zu lassen, täte uns allen gut. Nicht den Frust, sondern die Freude leben, darauf kommt es an. Über das Wie möchte ich gerne mit Ihnen ins Gespräch kommen. 

Frank Heidkamp
Stadtdechant