Ein Engel aus Slowenien

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Gastfreundschaft ist eine kulturelle Leistung. Denn Kultur hat etwas mit einem gepflegten Verhältnis zu Menschen zu tun, gerade mit denen, die als Fremde in ein Land kommen. Je fähiger eine Gesellschaft ist, Fremde bei sich zu Gast zu haben oder aufzunehmen und ihr Anderssein zu respektieren, desto kulturell reifer, desto menschlicher ist sie. Gastfreundschaft ist also das Bemühen, gegen den tief im Menschen verankerten Impuls zu übervorsichtigem, engstirnigem Verhalten gegenüber Angehörigen fremder Gruppen anzugehen. Im Übrigen ist es auch aus christlicher Sicht sehr naheliegend, einen Gast aufzunehmen: Wie es Apostel Johannes an die Hebräer geschrieben hat: „Vergesst die Gastfreundschaft nicht; denn durch sie haben einige, ohne es zu ahnen, Engel beherbergt!“  

Die Baxlas sind an sich, von ihrer Herkunft her, schon eine bunte Familie. Und sie kennen auch die eingangs skizzierten Zusammenhänge. Aufgrund anderer guter Erfahrungen entschlossen sie sich spontan, eine Gastschülerin aus Slowenien, Europäerin, aber doch aus einer anderen Kultur, aufzunehmen. „Wir nahmen sie für ein knappes Jahr bei uns auf. In unsere Wohnung am Rochusmarkt, mit vollständigem Familienanschluss, weil wir uns alle einig waren“, meint Prashant Baxla. Da fragen wir gerne noch etwas nach. 

Warum habt ihr ein Gastkind aufgenommen?

Rashmi, Gastschwester, 17 Jahre:

Ich bin bei AFS, einer Jugend-Austauschorganisation, mit der ich selbst vor einigen Jahren im Ausland war, ehrenamtlich tätig.
(Informationen zu AFS siehe unten).
Im Januar letzten Jahres suchte Eva, eine Austauschschülerin aus Slowenien, sehr kurzfristig eine neue Gastfamilie. Da es immer sehr wenige Gastfamilien gibt und sich in der Kürze niemand meldete, schlug ich meinen Eltern vor, sie aufzunehmen. Ich kannte Eva bereits und fand sie sehr nett. Wir überlegten nicht lange, und eine Woche später war Eva da. 
Zunächst sollte sie nur einen Monat bleiben, bis sich eine neue Familie gefunden hatte. 
Eva ist ein sehr fröhlicher und offener Mensch, und es war sehr schön für uns alle, sie bei uns zu haben. Sie wurde sehr schnell zu einem Mitglied der Familie. Als die vier Wochen sich dem Ende neigten, war für uns schon klar, dass Eva das ganze restliche Jahr bei uns verbringen würde.

Wie waren die ersten Wochen zusammen?

Ravi, Gastbruder, 16 Jahre: 
Wir haben nach der Schule zusammen zu Mittag gegessen und geredet. Wenn wir uns anfangs unterhielten, hat Eva oft das Wörterbuch auf dem Handy benutzt, und ich habe ihr neue Wörter erklärt. Ich fand sie gleich sehr aufgeschlossen. Für mich war es nicht so eine große Umstellung, weil ich ja noch weitere Geschwister habe und oft Freunde da sind. Und ich glaube, es war auch leicht mit Eva, weil sie aus einer großen Familie kommt und weiß, wie man sich in einer Familie verhält und auf Leute zugeht.

Wie habt ihr Eva erlebt?

Priyam, Gastbruder, 11 Jahre: 
Ich fand Eva gleich ganz nett. Sie hat alles mitgemacht, z.B. wenn wir irgendwo hingegangen sind. Sie hat mit mir gespielt, und es war immer lustig. 

Anton, Nachbarskind, 11 Jahre: 
Wir sind im selben Monat wie Eva hierhergezogen. Daher habe ich Eva immer als Teil der Familie wahrgenommen, sie war nie eine Austauschschülerin aus Slowenien. Eva hatte immer gute Laune, und ich hatte das Gefühl, dass sie sich wohlfühlte. 

Was hat dir gut gefallen? Was war schwierig? Was war neu?

Eva, 17 Jahre: 
Mir hat gut gefallen, dass ich so spontan aufgenommen wurde, nachdem es in der ersten Familie nicht so gut geklappt hat. Ich fand es nicht einfach, neue Leute kennenzulernen, weil die Jugendlichen in Deutschland so wenig Zeit in der Schule verbringen. 
Daher war es toll, dass ich in dieser Zeit mit meiner Gastschwester Rashmi die Gruppenstunde der Messdiener leiten konnte und beim Pfarrkarneval mit bedient habe. 
Unsere Nachbarin hat mich auch mit in den Projektchor genommen. Über meine Gastfamilie habe ich auch die Taizé-Gebete kennen gelernt und war dann in den Osterferien mit der Jugendkirche Oberhausen in Taizé, was ein tolles Erlebnis für mich war. 
Neu war für mich, dass meine Gastfamilie so oft Besuch hat. Wir sind in meiner Familie in Slowenien zwar fünf Kinder, aber am Wochenende sind wir immer unter uns, und wenn Leute kommen, gehen sie abends wieder nach Hause. Hier kamen oft Familien für das Wochenende und das war für mich schon eine Umstellung. Aber später fand ich das toll.  

Würdet ihr wieder ein Gastkind aufnehmen und wenn ja, warum?

Patrizia, Gastmutter: 
Auf jeden Fall werden wir mal wieder ein Gastkind aufnehmen. Wir haben sehr gerne Besuch und sind verbunden mit Freunden, die in verschiedenen Ländern der Welt leben. 
Ein Gastkind aufzunehmen, ist für uns eine weitere Möglichkeit, eine andere Kultur aus einem sehr persönlichen Blickwinkel kennenzulernen und zugleich einem jungen Menschen die Möglichkeit zu geben, mit unserer Kultur und Lebensweise vertraut zu werden. 

Prashant, Gastvater: 
So eine Begegnung ist immer auch eine Möglichkeit, den Blick für die andere Kultur, aber auch die eigene Kultur zu verändern. Vorurteile können erkannt und Gemeinsamkeiten entdeckt werden. 
Ich finde es sehr schön, dass wir weiterhin mit Eva in Kontakt bleiben und wir an ihrem und sie an unserem Leben Anteil hat: Sie hat uns über Neujahr wieder besucht, und wir werden sie sicherlich in den nächsten Jahren in Slowenien besuchen. 

AFS - Interkulturelle Begegnungen e.V.

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Offenheit, Interesse an anderen Kulturen und die Bereitschaft, ein Gastkind als Familienmitglied auf Zeit bei sich aufzunehmen: Wenn Sie sich darin wiederfinden, haben Sie die wichtigsten Voraussetzungen als AFS-Gastfamilie bereits erfüllt. Gastfamilie kann fast jeder werden: von Paaren mit Kindern oder ohne über Alleinerziehende bis hin zu älteren Menschen, gleichgeschlechtlichen Paaren oder Alleinstehenden. Der Komfort Ihrer Wohnung oder die Höhe Ihres Einkommens sind dabei zweitrangig. Viel wichtiger ist die Bereitschaft Ihrer Familie, einen jungen Menschen wie ein eigenes Kind von wenigen Wochen bis zu einem Jahr zu Hause aufzunehmen. Ihr Gastkind muss kein eigenes Zimmer haben. Viele teilen das Zimmer mit den neuen Geschwistern und sind glücklich dabei. Einzige Voraussetzung: Es gibt ein eigenes Bett. AFS-Familien erhalten kein Geld für ihre Gastfreundschaft. Die Kosten für Schulweg, Schulbücher, einen Sprachkurs (je nach Vorkenntnissen), Versicherungen sowie notwendige medizinische Behandlungen erstattet AFS. Taschengeld und Geld für Kleidung erhalten die Jugendlichen von ihren leiblichen Eltern. Für Verpflegung und Unterkunft sowie gegebenenfalls familiäre Unternehmungen kommt die Gastfamilie auf.
Falls Sie sich darüber Gedanken machen wollen oder es sich vorstellen können, für einen längeren oder kürzeren Zeitraum ein Gastkind aufzunehmen, können Sie sich an Familie Baxla wenden: 0157-81896596. 
Weitere Auskünfte finden sie auch unter www.afs.de