Klinke (c) privat

Wer es könnte die Welt hochwerfen dass der Wind hindurchfährt. (1962/63 aus: Hilde Domin: Gesammelte Gedichte, S. Fischer Verlag. Frankfurt a.M. 1987)

Ist das nicht ein wunderbares Bild? Einmal die Welt in die Luft werfen, und der Wind pustet die Spinnweben weg und rückt die Dinge an die richtigen Stellen! Ja, wenn es so leicht wäre… Doch träumen ist wichtig, gerade in Zeiten von Corona. Und danach stellen wir uns mit neuer Kraft den Herausforderungen im neuen Jahr. 
Frisch gewählt in der Bezirksvertretung 1 sind wir parteiübergreifend motiviert, uns für unseren Bezirk einzusetzen. Die Herausforderungen sind groß. So brauchen wir eine Verkehrswende und eine neue Mobilität, bezahlbare Wohnungen, insbesondere für Familien, mehr Grünflächen und Lebensqualität für alle, die bei uns leben. Auch für die, die eher am Rande unserer Gesellschaft stehen. Manchmal hört es sich nach der Quadratur des Kreises an. Und kosten sollte es möglichst auch nichts oder nur wenig. Dies alles umzusetzen, wird nicht einfach sein, gleichwohl werden wir nach Wegen suchen. Und ich bin fest davon überzeugt, dass es uns gelingen wird, Verbesserungen für das Leben in unserem Bezirk zu erreichen. 
Es wird seine Zeit brauchen. Seit acht Jahren arbeite ich für Bündnis 90/Die Grünen in der Bezirksvertretung 1, und seit der Kommunalwahl sind wir dort (recht knapp) die stärkste Kraft. Damit verbinden sich nun neue Perspektiven: Einmal die Freude über das Vertrauen, das unsere Wählerinnen und Wähler in uns setzen, aber auch der Respekt vor der Verantwortung, die damit verbunden ist. Gleichzeitig haben wir ein neues Amt auszufüllen: Am 13. November wurde ich zur Bezirksbürgermeisterin gewählt und freue mich auf die neuen Aufgaben, die damit auf mich warten. Gemeinsam mit meinen Stellvertreterinnen Sabine Schmidt (CDU) und Moira Obendorf (SPD) bin ich ansprechbar für Ihre Anliegen und Ideen. 
Natürlich sind wir Kommunalpolitiker*innen angewiesen auf den Dialog mit den Bürgerinnen und Bürgern, denn Sie sind die Expert*innen für Ihre Belange. Tatsächlich gelingt es so oft, im gemeinsamem Gespräch Wege zu finden. So wollen wir auch weiterhin zu Stadtteilkonferenzen einladen, um miteinander Probleme einzugrenzen und Lösungsansätze zu diskutieren. Vielleicht finden wir auch neue Formate, Politik zum Anfassen. Das ist meine Vision gegen Politikverdrossenheit, als Hoffnung für unseren Stadtbezirk.
Unser Stadtbezirk ist so vielfältig und lebendig. Zu ihm gehört neben Derendorf und Pempelfort auch die Altstadt, die Carlstadt und Stadtmitte. Hier erleben wir Großstadt mit ihren Reizen, ihren Herausforderungen und ihren Problemen. Große Verkehrsknotenpunkte befinden sich in unserem Bezirk, wie der Worringer Platz und der Hauptbahnhof. Bei uns gibt es Gewerbe in unterschiedlichen Ausprägungen, vom Mercedeswerk bis zum Kleinunternehmen und Start-up. Fast alle Bildungsformen haben wir bei uns: vom Kindergarten bis zur Hochschule. Parks, Kirchen, Moscheen und die Synagoge von Düsseldorf prägen auf ihre Weise das Leben in unserem Bezirk. Ebenso verfügen wir über viele Einrichtungen, die Menschen in besonderen Lebenslagen unterstützen. Das Drogenhilfezentrum, das Kinderhilfezentrum, die Zentren Plus für ältere Menschen und die Armenküche, um nur einige zu nennen. Wir haben so viele engagierte Menschen, die sich füreinander einsetzen. Viele Initiativen und Gruppen, die ehrenamtlich für ein besseres Leben einstehen. Diese müssen wir weiter und besser unterstützen, denn sie geben uns und anderen Hoffnung und Zuversicht, dass sich Dinge zum Besseren ändern. Auch Ihre Kirchengemeinde ist ein Teil davon, und es ist gut, dass es Sie gibt!

Annette Klinke

Hinkel (c) privat

Liebe Leserinnen und Leser von 7x2,

als die Anfrage für diesen Text kam, habe ich mich gefreut. Denn es geht um ein Thema, das mich mein ganzes Leben lang schon begleitet hat: Hoffnung. Und ich freue mich, dass dieses zarte Pflänzchen jetzt wieder zu sprießen beginnt, weil es so aussieht, als ob schon im nächsten Jahr die Corona-Krise vorbei sein könnte. Die Politik in Berlin kündigt an, dass Impfungen gegen das Virus in 2021 verfügbar sein sollen. Damit würde die Rückkehr zu einem normalen Leben in greifbare Nähe rücken. Eine ganz entscheidende Hoffnung, die wir alle im Herzen tragen, würde sich auf diese Weise erfüllen.
„Hoffen und harren hält manchen zum Narren“, sagt ein Sprichwort. Die aktuelle Entwicklung zeigt uns, dass die Hoffnung einen Partner braucht, um das Positive hervorzubringen. Das Tun muss sie begleiten: Nur dann kann sie Früchte tragen. Wer hofft, dass seine Kinder gute Menschen werden, der muss ihnen vorleben, was das bedeutet. Wer hofft, dass bessere Zeiten kommen, muss überlegen, wie er die aktuelle Misere meistern kann. Und hier habe ich viele sehr positive Entwicklungen in letzter Zeit erlebt, die zeigen, wie erfinderisch und patent Menschen mit der Krise umgehen. Mitten im Lockdown sind Gastronomen neue Wege gegangen, um im Kontakt mit ihren Kunden bleiben zu können. Mit Food-to-go-Angeboten machen sie den Genuss zu Hause möglich.
Auch die Karnevalsvereine haben gezeigt, wie innovativ sie sind. Ich war am 11.11. auf der Zoom-Sitzung einer Karnevalsgesellschaft, und mit dem notwendigen Abstand habe ich einen Orden-to-go im Vorbeigehen erhalten. Ein völlig neues Arbeiten vom Home Office aus haben viele von uns erlebt, mit all seinen Vor- und Nachteilen. Wobei bestimmt der ein oder andere Arbeitgeber festgestellt hat: Es läuft

auch gut ohne die Kontrolle im Büro, meine Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter haben mein Vertrauen wirklich verdient. Und vielleicht gibt es dann auch in Zukunft für sie die Chance, mehr von zuhause zu arbeiten, wenn sich ein Mitglied des Teams dies wünscht.
Doch eine Hoffnung verbinde ich vor allem mit dieser Zeit voller Entbehrungen, in denen wir Freunde nicht in den Arm nehmen können, das Schunkeln und Bützchen geben an Karneval untersagt ist, und jeder Mitmensch als potenzieller Ansteckherd gilt. Ich hoffe, dass wir alle uns mehr denn je bewusst sind, wie kostbar und schön ein Lächeln, eine Berührung, eine Begegnung sind. Ich sehe die Krise als Chance, diese Ausdrucksmöglichkeiten des Miteinanders mehr denn je als göttliches Geschenk wahrzunehmen und nicht als Selbstverständlichkeit. 
Wenn die Hoffnung ein zartes Pflänzchen ist, dann braucht sie Fürsorge, um gedeihen zu können, und günstige Lebensbedingungen. In der Natur zählen dazu Sonne, Wasser und ein guter Boden. Das Äquivalent dazu wären Optimismus, Vertrauen und der Glaube, dass auch das Unmögliche gelingen kann. „Das schaffst Du nicht“, „Das kannst Du nicht“ oder „Das klappt nie“ – diese Sätze sind wie schwere Steine, unter deren Gewicht im Dunkeln nichts gedeihen kann. Ich stelle mir lieber vor, dass Hindernisse wie Steine am Ufer eines Sees sein könnten. Als ob wir sie in die Hand nehmen, von uns werfen und zuschauen könnten, wie sie hier und da aufkommen, bevor sie verschwinden. Ob es wirklich so ist, sei dahingestellt. Hilfreich ist diese Vorstellung auf jeden Fall, ebenso wie die Hoffnung, das alles gut ausgehen wird.
Mit herzlichen Grüßen

Josef Hinkel
Bürgermeister der Landeshauptstadt Düsseldorf