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Ströme alter Weisheit - Jesus deutet mit den Hoheitstiteln

Predigtreihe in der Adventszeit 2018 zu Texten des Propheten Jesaja

sonntags, 18.00 Uhr Kirche Sankt Rochus

                                      

Mitten im Markusevangelium stellt Jesus den Zwölfen, die mit ihm waren, die Frage, was sie glauben, wer er sei. Diese Frage lag zu der Zeit in der Luft; sie stellte sich allenthalben bei den Menschen, die Jesus begegnet sind, bei Betroffenen, bei seinen Gegnern, bei den vielen, die mit ihm wanderten. Jesus war anders als die anderen Prediger und auch anders als die Propheten. Er redet anders, er verhält sich anders und in allem tritt er auf als einer der ‚Macht‘ hat, Vollmacht. Er berührt die Menschen, spricht sie an, ermutigt sie und erfüllt sie im Sinne einer Frohen Botschaft: baut sie innerlich auf, entzündet ihnen eine Hoffnung. Die direkte Erfahrung seiner besonderen Nähe warf umso stärker die wirkliche Frage nach seiner Identität auf. Wer ist er? Zur Beantworten griffen die Menschen gern zu überkommenen Titeln und Begriffen: Kyrios (Herr), Christos, Menschensohn, Messias, Gottesknecht, Davidssohn, ein letzter Prophet… An den Adventssonntagen werden vier Titel aufgegriffen und wird ihnen in den sonntäglichen Abendmessen von Sankt Rochus nachgegangen:

 

Erster Advent, 2. Dezember 2018, 18 Uhr, Sankt Rochus, Düsseldorf

„MENSCHENSOHN“ (Mk 14,32-42) 

P. Friedhelm Mennekes

Menschensohn ist ein Ausdruck aus der alten Bibel und bezeichnet zunächst einen Angehörigen der Gattung Mensch im Sinne von „jemand“ oder „einer“. Später wird darunter bei den Propheten und in der Apokalyptik ein Heilsvermittler der Endzeit verstanden. Das Buch Daniel beschreibt den Menschensohn als einen, „der aussah wie der Sohn eines Menschen“, als zukünftigen Vertreter der Menschheit, dem Gott nach dessen Endgericht seine Herrschaft über die kommende Welt, das Reich Gottes, übertragen werde. Markus zieht dann in Mk 9,12 eine Verbindung von zwei Erwartungen unter den Gläubigen, der von einem Menschensohn und der von einem Gottesknecht und überträgt sie auf Jesus. Damit wird die Erwartung eines jenseitigen Menschensohns für die Völker in die irdische Sündensühne für Israel überführt.

 

Zweiter Advent, 9. Dezember 2018, 18 Uhr, Sankt Rochus, Düsseldorf

„GOTTESSOHN“ (Mt 16,13-16)

P. Friedhelm Mennekes

Das Markusevangelium stellt den Titel Sohn Gottes von Anfang an in den Vordergrund (Mk 1,1). Bei seiner Taufe (Mk 1,11) und seiner vorösterlichen Verklärung (Mk 9,7) erklärt Gott Jesus vom Himmel her zu seinem geliebten Sohn. Die apokalyptische Endzeitrede ordnet den Sohn und seine Aufgabe in der Welt betont dem Vater unter (Mk 13,32). Schließlich bekennt angesichts von Jesu Sterben am Kreuz der römische Offizier, der die Hinrichtung beaufsichtigte, als erster (Mk 15,39): „Wahrhaftig, dieser Mensch war Gottes Sohn.“ Der Titel Sohn Gottes wurde auf Jesus übertragen, um auf dessen außergewöhnliches Verhältnis zu Gott hinzuweisen (z. B. „sitzet zur Rechten Gottes“). Die ältesten Sohn-Gottes-Aussagen über Jesus erklären, dass Jesus durch die Auferstehung als Sohn Gottes inthronisiert wurde. 

 

Dritter Advent, 16. Dezember 2018, 18 Uhr, Sankt Rochus, Düsseldorf

„DAVIDSSOHN“ (Mk 10,46-52)

Kaplan Michael Schmitt

Anknüpfungspunkt für diesen Titel ist eine Strömung alttestamentlich-jüdischer Erwartung. Sie erhofft im Blick auf die Stelle 2 Sam 7,16 den eschatologischen Heilsbringer aus dem Stamme Davids (vgl. Jes 9,1-6; 11,1-10 u.a.). Indem die frühen Christen Jesus als den Sohn Davids bezeichneten, wurde er als derjenige benannt, in dem sich diese Verheißung erfüllt hatte. Dabei bezieht sich der Titel vor allem auf die irdische Existenz Jesu (Röm 1,3; 2 Tim 2,8), und zwar in konkretem Bezug auf seine Wunder (Mt 12,23; vgl. Mk 10,47f.).

 

Vierter Advent, 23. Dezember 2018, 18 Uhr, Sankt Rochus, Düsseldorf

„CHRISTUS“ (Mt 1,1-16)

Pfarrer Heribert Dölle

Der Gesalbte ist der von Gott Geliebte, Beschenkte und Beauftragte. Salbung selbst bedeutete immer auch Zeichen der Auserwählung. Der Messias wurde schließlich als ein von Gott gesandter, gottähnlicher oder gar göttlicher Retter verstanden. Jesus wird als Christus bezeichnet, weil in ihm unerwartet anders der vom Geist Gottes erfüllte König gesehen wurde, der das Reich Gottes aufbaut. Jesus wird als Mittler des Heils, als Führer zum Leben mit Gott, als Spender des neuen Lebens gesehen, sodass eine Übertragung des Titels auf den gerechtfertigt erscheint, der die alten Verheißungen und Hoffnungen erfüllt.