Als Apokalypsen werden in biblischer Zeit solche Schriften verstanden, die sich in Visionen, Träumen, Abschiedsreden oder Weissagungen mit einem kommenden Weltende befassen. Geistesgeschichtlich zählen sie zu den mythischen Erzählungen vieler Kulturen, d.h. zu den bildhaften Texten aus alter, auch vorbiblischer Vorzeit. Sie nähren sich aus den fundamentalen und existenziellen Erfahrungen des menschlichen Lebens. Sie eröffnen visionäre Perspektiven, in deren Licht sich letzte Sinnkonstrukte erklären und legitimieren lassen. Zumeist erzählen sie vor dem Hintergrund eines Heiligen Kosmos von Handlungen zwischen Göttern und Menschen. Sie umfassen dabei die Ursprungs- und Entwicklungsgeschichten der Welt, in denen der Mensch sich vorfindet und lebt: Transformations- oder Heilsmythen sowie Vorstellungen vom Tod oder vom Ende der Welt, von ihrem Untergang in kosmischen Katastrophen und von ihrer möglichen Erneuerung. Der beliebte Stil dieser besonderen Literaturgattung ist spannend und nennt sich Apokalyptik.

Die christliche Variante dieser Endzeitgeschichte leitet eine neue Phase in der Apokalyptik ein. Sie hat ihre Zeit vor allem in der brutalen Christenverfolgung des römischen Kaisertums. Viele Gemeinden sehen sich in der Gefahr grausamer Verfolgungen und Vernichtung. Alle stehen unter großer Angst. Um Angst zu handhaben, ihr zu begegnen, wird immer wieder die sog. Geheime Offenbarung des Johannes in der Gemeinde gelesen und vorgelesen. Ihr Impuls liegt nicht mehr im spannenden Erzählen furchterregender Geschichten, sondern in ihrer - modern gesprochen - therapeutischen Wirkung und Zielsetzung. Die Apokalypse des Johannes will die Angst der Christen mäßigen, nicht produzieren und entfachen. Sie will den Menschen helfen, sie unterstützen, Trost zu finden und Hoffnung aufzubauen. Dazu verkündet sie inmitten von Schreckensgeschehen immer wieder einen Gott, der dem Menschen verlässlich treu und rettend zur Seite steht.

Die ganze Johannes-Apokalypse läuft auf die Geburt einer neuen Welt hinaus, auf einen neuen Himmel und eine neue Erde (Apk 21,1) Bevor es aber dazu kommt, reiht sich ein überaus brutales und erschreckendes Szenarium aneinander: Kriege, Teuerungen, Hungersnöte und ein chaotischer Kampf aller gegen alle bricht über die Menschen herein. Die kosmischen Gesetze geraten aus den Fugen, Ordnungen zerbrechen. Doch am Ende dieser Katastrophen greift Gott selbst ein und setzt für seine Getreuen einen neuen Anfang. Dann werden die Toten auferstehen und die Bedrängten im allgemeinen Gericht gerettet.

Zu allen Zeiten wurde das biblische Buch der Geheimen Offenbarung von den Menschen gelesen und gedeutet. In ihrem Interesse fragen und suchen die Gläubigen nach den Spuren, die Gott tröstend und ermutigend in das drohende Chaos der Welt und der Geschichte hineinspricht und hineinzeichnet. Kaum ein Buch der Schrift findet in der Kunst so engagiert, so lange und so umfangreich seinen Niederschlag. Die Spanne reicht von der frühen Buchmalerei bis in unsere Zeit, von Rom über Nordspanien, Frankreich, England und Deutschland. Wegweisend in dieser Entwicklung sind die 16 Holzschnitte von Albrecht Dürer. Sie haben früh eine große Beachtung und in der Zeit der aufflackernden Reformation eine große Verbreitung gefunden.

Vielen Menschen ist das schwer verständliche Buch mit seinen Vernichtungsgeschichten fremd und schwer zugänglich. Dennoch aber trägt es in sich großartige Formulierungen von Vertrauen, Verlässlichkeit und Trost. Es formuliert Rettung und Erlösung und ist geprägt von der großen Vision eines neuen Himmels und einer neuen Erde.

Die sieben Predigten in der Fastenzeit 2019, mit den bekannten Holzschnitten von Albrecht Dürer, werden der Reihe nach die Verkündigung in den Abendmessen von Sankt Rochus prägen.

Pastor Heribert Dölle             

 

Aschermittwoch, 06. März - Die Gemeinden in der Krise  (Pfr. Heribert Dölle)

Erster Fastensonntag, 10. März - Das Lamm und seine Macht  (Kpl. Michael Schmitt)

Zweiter Fastensonntag, 17. März - Die vier Reiter  (P. Friedhelm Mennekes SJ)

Dritter Fastensonntag, 24. März - Die Kennzeichnung der Auserwählten  (P. Friedhelm Mennekes SJ)

Vierter Fastensonntag, 31. März - Die Frau und der Drache  (P. Friedhelm Mennekes SJ)

Passionssonntag, 7. April - Das Glück der Geretteten  (P. Friedhelm Mennekes SJ)

Palmsonntag, 14. April - Der ‚Neue Himmel‘ und die ‚Neue Erde‘  (Pfr. Heribert Dölle)