Offener Brief an Kardinal Woelki

06.12.20, 09:30
  • Blog Pfarrgemeinderat
Mitglieder des Pfarrgemeinderats

Dezember 2020

Offener Brief von Mitgliedern des Pfarrgemeinderats der Katholischen Kirche Derendorf Pempelfort (hier als PDF) - die Antwort des Erzbistums finden Sie unten auf der Seite.

 

Düsseldorf 6.12.2020

 

Sehr geehrter Herr Kardinal Woelki,

die meisten von uns sind in „geordneten katholischen Verhältnissen“ groß geworden, im Vertrauen darauf, dass Priester und Bischöfe die Kirche selbstlos im Sinne Jesu leiten und zum Besten der ihnen anvertrauten Menschen wirken. Im Laufe der Jahre gab es sicherlich immer mal wieder Ereignisse, die dieses Vertrauen etwas angekratzt haben, aber dennoch hat es bis heute doch so weit gehalten, dass wir uns für eine geschwisterliche Kirche engagieren und dafür einen großen Teil unserer Energie und Freizeit opfern. Bis heute…

Haben die in den letzten Jahren bekannt gewordenen Missbrauchsverbrechen das Vertrauen bereits nachhaltig erschüttert, so droht Ihr Umgang damit, ihm jetzt den Rest zu geben. Die Unterbindung der Veröffentlichung des Gutachtens der von Ihnen beauftragten Kanzlei, der erneute Missbrauch von Opfern durch ihre Instrumentalisierung im Betroffenenbeirat und die Zensur kritischer Stimmen der Studierendengemeinde dienen nicht der Aufklärung der Verbrechen und der Verhinderung künftiger Taten. Durch Ihr Beharren auf diesen Entscheidungen verlieren Sie jedes Vertrauen und jede Autorität. Sie werden in jeder Hinsicht unglaubwürdig – administrativ und theologisch.

In den anstehenden Strukturveränderungen setzen Sie auf die Mitarbeit engagierter Laien. Unter den o.g. Bedingungen verlassen aber immer mehr Menschen die Kirche oder gehen in die innere Emigration. Bald werden sich kaum noch Laien und auch keine Menschen im Ehrenamt finden, die sich für Ihre Kirche engagieren wollen.

Wir fordern Sie dringend auf: Veröffentlichen Sie das Gutachten der Kanzlei Westpfahl Spilker Wastl unverzüglich und für jeden voll umfassend einsehbar. Das vielzitierte Argument, es sei nicht „gerichtsfest“, trägt an dieser Stelle nicht: Im Gegenteil entsteht damit eher der Eindruck, dass von vorneherein die potentiellen Rechte der Täter (nämlich die nicht völlig auszuschließende Verletzung der Persönlichkeitsrechte) als höherwertiger betrachtet werden, als die unstreitigen Rechte der Opfer. Wer ein gerichtsfestes Gutachten fordert, fordert im Ergebnis den Verzicht auf Namensnennungen.

Was im Bistum Aachen möglich ist, sollte auch im Erzbistum Köln möglich sein. Stehen Sie zu Ihrem Wort und zu Ihrer Verantwortung – gegenüber den Opfern und auch gegenüber den Tätern, mit allen Konsequenzen.

Die Opfer des furchtbaren Missbrauchs sollten im Mittelpunkt Ihres und unseres Handelns stehen, und es muss von Ihnen, Kardinal Woelki, alles getan werden, damit solche Taten nie wieder begangen werden können.

Mit freundlichen Grüßen

 

Dr. Eva Koch, Vorsitzende des Pfarrgemeinderats

 

und folgende PGR-Mitglieder in chronologischer Reihenfolge der Unterzeichnung:

Ansgar Warneke, Dr. Jürgen Streng, Anna Bergolte, Dr. Matthias Wetterau, Friedhelm Brentano, Bettina Dust, Rene Schmidt, Torben Bergolte, Angelika Peters, Angelika Klinke, Christiane Benker

 

Wenn Sie sich diesem Brief mit Ihrer Unterschrift anschließen möchten, schreiben Sie uns gerne eine kurze E-Mail

 

Wir unterstützen diesen Brief mit unserer Unterschrift (in chronologischer Reihenfolge):

Barbara Krug, Dr. Gerd Müller-van Ißem, Claudia Key, Pia Weckendorf, Maria und Ulrich Terjung, Elisabeth Schmitz-Janßen, Dr. Andreas Peters, Petra und Bernhard Budde, Klaus Dörner, Dr. Heinrich Klosterkemper, Angelika Fröhling, Wolfgang Schueller, Alexander Wertgen, Marie Eldenburg, Birgit Osthege, Andreas Kaiser, Klaus-Wilhelm Haefs, Elisabeth Kohm, Reinald Müller, Sylvia von Hoegen, Klaus und Patricia Reismann, Dorothee Wallrath, Katharina Balle-Dörr, Ulla Röttger, Kathy Haefs, Paul-Hans Lang, Gerlinde Schulte-Kramm, Brigitte Dykoff, Dr. Silvia Wehrle, Cornelia Streng, Frank Fox, Christian Zanders, Gisela Schuldlos, Lothar Sprick, Gudrun Höhr, Horst Wutzke, Axel Wolferts, Anne und Peter Schmitz, Peter Schulte-Zurhausen

 

Hier können Sie die Antwort des Erzbistums lesen.

 

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Hier finden Sie den Brief als PDF