1_Kirche Heilig Geist

Kirche Heilig Geist | Ludwig-Wolker-Stra├če 10, 40477 D├╝sseldorf

1907 beschloss der Kirchenvorstand der Gemeinde Heilige Dreifaltigkeit, die Tochtergemeinde Heilig Geist zu gr├╝nden. Der Kirchbaumeister Professor Kleesattel errichtete 1910/11 den Neubau an der Moltke-stra├če. Heilig Geist war zun├Ąchst nur Rektorat, wurde jedoch am 1. April 1913 durch den K├Âlner Erzbischof zur Pfarrgemeinde erhoben. Am 26. Oktober 1913 wurde die Kirche konsekriert.

Der erste Pfarrer war Christian Frohn (bis 1937). Ihm folgten Dr. Wilhelm Schauf (1955), Karl Arnold (1977), Norbert Kipp (1984), dann Msgr. Guido Aix (1986) und Heinz Eicker (2008), die beide gleichzeitig Pfarrer der Muttergemeinde Heilige Dreifaltigkeit waren.

Der Architekt Josef Kleesattel hat in D├╝sseldorf neun Kirchen gebaut, drei in unserer Pfarrgemeinde (au├čer Heilig Geist: Herz Jesu und Sankt Rochus ). Der Stil der Kirche Heilig Geist ist historisierend neuromanisch, aber auch an der fr├╝hchristlichen Basilika SS. Nereus und Achilleus in Rom orientiert. Doch die Vierschiffigkeit, die drei unterschiedlichen S├Ąulen-formen und auch der hohe Chorraum ├╝ber der Krypta entsprechen nicht dem r├Âmischen Vorbild.

Das sch├Âne Taufbecken stammt von 1911. Es verwendet die Ornamentik der ├Ąu├čeren Portale. So kann man annehmen, dass der Architekt es selbst entworfen hat. Auch unsere einsame Barbara-Glocke, die dreimal t├Ąglich zum Angelusgebet l├Ąutet, entstammt der ersten Ausstattung. Nach dem ersten Weltkrieg konnten nur wenige Anschaffungen finanziert werden. Dazu geh├Ârte 1921 die Piet├á als Kriegerdenkmal f├╝r die 96 Gefallenen der Pfarrei, 1933 ein neuer schmuckvoller Hochaltar und 1939 die Lourdes-Madonna.

Sch├Ąden aus dem zweiten Weltkrieg durch Bombensplitter sind sehr deutlich in den Tuffsteinw├Ąnden au├čen zu finden, aber auch am Taufbecken und an den Granits├Ąulen. Wie durch ein Wunder war die Lourdes-Madonna unbesch├Ądigt geblieben. Sie hat jetzt ihren Platz unter der Orgelb├╝hne und ist inzwischen von den Votivkerzen wieder geschw├Ąrzt. Der Hochaltar war nahezu vollst├Ąndig zerst├Ârt. Einige Reliefs aus Gusseisen konnten restauriert werden und h├Ąngen in der Taufkapelle, darunter SS. Nereus, Achilleus und Domitilla. Davor sind die alten Tabernakelt├╝ren aufgeh├Ąngt. Den Wiederaufbau hat der Architekt Heinz Thoma (auch Klosterkirche an der Oststra├če) geleitet. Das Ergebnis ist ein gut ├╝berschaubarer, etwas strenger, heller Raum. Der Architekt hat die W├Ąnde nicht wieder farbig gestaltet, sondern wei├č kalken lassen. Die ehemals achteckigen S├Ąulen wurden zu Tonnen ver├Ąndert und mit grauem Mosaik ummantelt. Die Kapitelle sind durch einfache K├Ąmpfer ersetzt. Auch die Decke wurde durch gleichm├Ą├čige Querbalken vereinfacht.

Vor allem aber wurde der gesamte ├Âstliche Abschluss der Kirchenschiffe umgestaltet, W├Âlbungen und B├Âgen wurden durch Rechtecke und Fl├Ąchen ersetzt. In der Front der linken Schiffe sieht man die Spuren noch deutlich. Dort wurde die Konche der fr├╝heren Marien-kapelle abgeschnitten. Im Hauptschiff wurde statt der gro├čen Apsis eine glatte Wand aufgef├╝hrt.

Am st├Ąrksten war der Eingriff im rechten Seitenschiff, wo statt einer Nebenapsis mit Altar nun die Treppe zur Krypta und die Empore mit dem Heizungsgitter ein unharmonisches Bild bieten. Zudem musste auch der Eingang zur Sakristei nach vorn verlegt werden, da neben dem neuen, breiten Hochaltar kein Platz blieb. (Statt der T├╝r ist dort ein Fenster eingelassen.)

Nach dem Wiederaufbau war zun├Ąchst an auf- wendige Anschaffungen nicht zu denken: Im linken Seitenschiff stehen noch die „geliehenen" alten Kirchenb├Ąnke. Die Gruppe „Josef als Vater" wurde von einem Gemeindemitglied geschnitzt. Der kleine Kreuzweg stammt aus dem Wallis. Der Deckel des Taufbeckens war zerst├Ârt und wurde von einem Matar├ę-Sch├╝ler in Bronze neu gestaltet. Auch die neuen Fenster in der Chorwand und in der Piet├á-kapelle waren verh├Ąltnism├Ą├čig g├╝nstig zu erwerben. In der Chorwand sind nur zwei Fenster (Prof. Anton Wendling) durchgestaltet. Diese sind einer Doppelreihe verschieden angeordnet.

2_Kirche Heilig Geist innen
3_Klais-Orgel Heilig Geist

Erst mit der Klais-Orgel 1967 hat die Gemeinde eine gro├če Anschaffung getragen. Alle Anstrengungen galten dann aber dem Bau des neuen Pfarrzentrums, das mit dem Westabschluss des Kirchenschiffs verzahnt wurde (Architekt Thoma). Mit der Renovierung der Kirche 1980 wurden die Intentionen des II. Vatikanums umgesetzt: Ein Volksaltar kam vor die Treppe, die Kommunionb├Ąnke wurden verk├╝rzt (als Begrenzung des Altarraums) zur Seite gestellt, die Kanzel wurde durch ein Lesepult ersetzt. Erst 1986 und 1988 wurde der Chorraum mit dem Ambo und dem Kreuz (beides von Willi Dirks) k├╝nstlerisch bereichert.

Die letzte Anschaffung betraf 1998 die Seitenfenster (Karl Martin Hartmann), die vor allem zur S├╝dseite ungewohnte Farbt├Âne in den Kirchenraum bringen. Heilig Geist setzt einen kr├Ąftigen Akzent in die Stadtlandschaft D├╝sseldorfs. Die m├Ąchtigen T├╝rme beherrschen die Moltke-stra├če an der Stelle, wo f├╝nf andere Stra├čen einm├╝nden. Die Turmuhr stammt von 1930. Sie ist inzwischen durch Funksignale geregelt. Im Au├čenbau gibt es drei Gesteinsarten: ├╝ber dem schwarzen Sockel aus Basalt sind die W├Ąnde mit hellem Tuffstein verkleidet. Die reichen Bauornamente der Portale sind aus Sandstein. Es gibt drei Eing├Ąnge. Der wichtigste ist der unscheinbarste.

In unmittelbarer N├Ąhe der Kirche sind die Zentralen wichtiger katholischer Verb├Ąnde Deutschlands beheimatet: am Carl-Mosterts-Platz das Jugendhaus (Bundeszentrale des BDKJ) und an der Prinz-Georg-Stra├če die Katholische Frauengemeinschaft Deutschlands (kfd).


Hermann Josef M├╝ller